bEMBELkINDER Boat Life, Juni 2026

Von Mali Lošinj nach Ilovik …. und zurück

Im Juni sollte es nun endlich auf große Fahrt gen Süden gehen. Also noch das Auto zurück nach Deutschland mit dem überflüssigen Kram und letzte Bestellungen tätigen: neues Kartenmaterial, Rettungsweste, Handfunke … . Rückflug über Rijeka mit dem Bus dann weiter nach Mali Lošinj zur AEGIS 🙂

Alles ist startklar und wir können uns bald wieder einkranen lassen. Unser erstes Ziel: die südlich gelegene nächste Insel Ilovik. Wir starten aus N44°32,6 + E014°27,6 um 12:15 Uhr und sehen einer schönen Fahrt zunächst bei 2 bft W, später 3 bft NW entgegen. Kurs 150° bei schönem Halb- bis Raumwind. Bis Ilovik segeln wir 13nm und werfen den Anker in der Pazine Bucht N44°26,7 + E014°33,5 auf der Südseite der Insel gut geschützt bei 5 m Tiefe, auch wenn bei schwachem Wind erst mal keine Gefahr droht. Der Anker hat sich im Sand beim zweiten Versuch auch gut eingegraben und wir vertrauen der 3-fachen Ankerkettenlänge.

Wie aufregend: Die erste Nacht vor Anker in einer wunderschönen Bucht mit ca. 15 anderen Booten. Schwimmen direkt vom Boot aus bis an Land. Wir beschließen, eine weitere Nacht hier zu verbringen, um noch einen Ausflug in die kleine Hafenstadt zu unternehmen. Gesagt getan, am nächsten Vormittag geht es dann zum ersten Mal mit unserem Dingi per Ruder rüber an den Strand. Hintergedanke hierbei auch, den Ausflug mit einem Toilettengang zu verbinden, denn wir haben keinen Schwarzwassertank, was sich bei so vielen anderen Booten in der Bucht als neue Herausforderung erweist. Dass der Umgang mit Toilette, Dusche, Kaltgetränken, heißem Kaffee oder Tee und der Aufbewahrung frischer Lebensmittel ein gehöriges Umdenken aus alten Gewohnheiten erfordern, war zwar klar, aber in echt fühlt es sich noch einmal anders an. Aber eine sternenklare Nacht auf dem Wasser entschädigt für alle Unannehmlichkeiten.

Am Morgen des 19. Juni wollen wir trotz nur 1-2 bft weiter nach Premuda. Der Wind steht günstig. Es ist ruhige See und wir hätten den Anker einfach nur hochziehen und losfahren müssen. Doch dann kommt im Ablegemanöver die Idee, kurz rückwärts über den Anker zu fahren und ein ungewohntes Geräusch am Motor lässt mich direkt stoppen: Das Dingiseil hängt in der Schraube – welch ein doofer Anfängerfehler! Markus taucht und es ist noch schlimmer: Ein Propellerblatt ist abgerissen! Da der Anker ja schon lose ist, manövrieren wir erst mal raus aus der Bucht und recherchieren, dass die nächstgelegene Werft mit entsprechenden Mechanikern uns zurück nach Mali Lošinj führt. Nach drei gescheiterten Versuchen, bei den minimalen Windbedingungen voran zu kommen, müssen wir in den sauren Apfel beißen und mit nur einem Propellerblatt zurückmotoren. Gut im Ausgangshafen angekommen, beginnt die große Zeit der Geduldsprobe.

Das Auskranen kann erst am Montag erfolgen. Montag ist kroatischer Feiertag. Eine erste Einschätzung gibt Hoffung, dass ein neuer Propeller eventuell auf Krk angefertigt werden kann. Transport des defekten Propellers zur genauen Maßabnahme des konischen Gewindes erst Mittwoch. Donnerstagabend die Zusage, dass ein neuer Propeller angepasst werden und das insgesamt 7-10 Tage dauern kann. Glück im Unglück, denn laut Chat-GPT und einem Spezialgeschäft in Bremerhaven ist ein zweiflüglicher linksdrehender Propeller mit konischem Gewinde nicht mehr üblich. Zum Glück ist unser Landliegeplatz noch den ganzen Juni bezahlt! Am Dienstag, den 30. Juni wird klar, dass es doch Freitag werden kann – zwei Wochen nach dem Missgeschick – wir aber zusätzlich noch die Daumen drücken dürfen, dass bis dahin auch der Bootskran wieder funktioniert🙃

Boatlife auf dem Trockendeck: wir versuchen, die neu gewonnene Zeit in Mali Lošinj so gut wie möglich zu nutzen. Schwimmen gehen, Siesta in Hängematten unter Bäumen, Spaziergänge, Friseur – inzwischen kennen wir die Insel schon recht gut, wir kennen alle Einkaufsmöglichkeiten und fußläufigen Buchten. Markus erkennt das Polizeiboot nachts am Motorengeräusch und ich die Route des Fischschwarms in der nächstgelegenen Bucht.

Ich erneuere die zerlöcherte kroatische Gastflagge, verbessere die Ankerhalterung, putze das Schiff … und wir wagen es und klettern mit Mastleiter und Klettergurt auf den Mast!

Aber die Hoffung stirbt zuletzt: wir wollen jetzt umso mehr aufs Wasser, wir wollen neue Orte kennenlernen und segeln,segeln, segeln … bis nach Griechenland!

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