Posts By BembelkindSabine

bEMBELkINDER Boat Life, August/September 2026_01 – Unterwegs im Saronischen Golf

Die Vorboten des Meltemi

Wir haben am 28. August den Isthmus von Korinth befahren, sind somit in den Saronischen Golf gelangt und haben uns nun bis zur Südspitze Attikas durchgeschlagen, den Poseidon Tempel passiert und eine Marina gefunden, wo wir auf das Abschwächen des Starkwinds Meltemi warten. Der Wind lässt die vielen Segelmasten in einem kleinen Orgelkonzert ertönen. Wir fühlen uns sicher und sind froh, eine Pause von dem Umgang mit Wind und Welle zu haben und wir brauchen für unsere Sicherheit für die letzten Kilometer durch die Ägäis eine Motorinspektion.

Zeit für eine Zwischenbilanz: Wir haben das Boot aus einem Impuls heraus gefunden, als es darum ging, das Leben zu spüren und Träume nicht aufzuschieben, bis es zu spät ist. Wir hatten keine Erfahrung, weder vom Segeln noch davon, was es heißt, ein Segelboot zu besitzen. Aber alles hat gestimmt – das Vertrauen zum Voreigner; die Idee, mit einem kleineren Boot erstmal wirklich die Grundlagen zu lernen und zu verstehen; der perfekte Startpunkt im sicheren Hafen in Mali Lošinj; die minimal nötigen Scheine vorab. Jetzt sind wir über 1600 km weiter südöstlich und sind selbst ein bisschen beeindruckt, dass wir es so weit geschafft haben. Wir wissen jetzt aber auch, wie viel wir noch lernen müssen, obwohl kein Tag hier ohne neue Erfahrungen ist. Wind und Welle sind in der Tat tückisch, wenn man sie nicht richtig deutet. Ein Boot ist ein absolut komplexes System, dass ständige Zuwendung und Kenntnis in allen handwerklichen sowie physikalischen Bereichen erwartet. Man muss immer auf alles vorbereitet sein und jederzeitig auf alles spontan reagieren können. Man muss gleichzeitig schnell und geduldig sein. Segeln auf dem eigenen Segelboot bedeutet nicht nur Freiheit, einsame Buchten und Entspannung, sondern vor allem Verantwortung, Konzentration, tägliche Arbeiten und Teamplay. Das alles haben uns die letzten Tage seit dem Isthmus von Korinth bis hier her wieder gelehrt.

28.08.2026 Wir sind bereit für den Isthmus von Korinth. Wunderbarerweise können wir mit 3 Knoten bei Raumwind mit Vorsegel direkt zum Eingang segeln. Dort müssen wir noch eine Stunde vor Anker bis zum nächsten Durchlass warten. Dann ist es soweit und wir schaffen es auch als letztes Boot einzufahren, da uns klar ist, dass wir die Langsamsten sein werden. Es ist wirklich unfassbar aufregend, durch diesen Kanal von 6 Kilometern Länge mit seinen hohen Wänden zu fahren. Natürlich entfernen sich die voranfahrenden Schiffe allmählich, wir verlangen dem Volvo Penta Motor ganz schön viel ab, um bei 4 Knoten Fahrt zu bleiben und der Gegenwind, der durch den Kanal bläst, macht es nicht einfacher. Plötzlich mitten im Kanal setzt unser Motor aus. Ich melde der Kanalwache bereits über Funk, dass es Schwierigkeiten gibt, als Markus zum Glück den Motor wieder starten kann und wir setzen die Fahrt bangend mit 3 Knoten fort. Glücklich können wir erst mal am Anlegedock auf der anderen Seite bei immer stärkerem Gegenwind anlegen. Die weitere Strecke bleibt unangenehm wellig und wir kämpfen uns motorend zur Übernachtungsbucht auf die Nordseite der Peloponnes. Das Ankern mit zusätzlichem Heckanker klappt gut, aber das Strandrestaurant ist ein Tummelplatz für Wespen und lässt uns nur kurz verweilen.

29.08.2026 Wir wollen weiter. Zwar sind es nur 2 bft Wind, aber darauf kommen 3 bft Böen im Gegenwind. Auch im 2. Reff kommen wir kaum voran und verkriechen uns in die nächste geschützte Bucht im Nichts. Nachmittags wird es wieder besser, aber wir müssen vor der Weiterfahrt noch den Anker von der geankerten alten Mooringleine befreien. Schließlich kommen wir nach ein paar Stunden schönem Segeln doch noch an der Ostküste der Peloponnes in einer kuscheligen Bucht mit Taverne an.

30.08.2026 Entweder schaffen wir es zu einer der nächsten östlich gelegenen Inseln oder wir müssen weiter an der Küste der Peloponnes südlich fahren, denn ganz dringend steht der Besuch einer Einkaufsmöglichkeit an – wir haben fast nichts mehr. Es geht mit der ersten Brise los und läuft – zwar im Kreuzkurs gegenan – recht gut …. bis zur Flaute. Inzwischen wissen wir: Eine Flaute kann immer auch eine Windrichtungsänderung mit möglichem stärkeren Wind im Anschluss bedeuten. Inzwischen sind wir aber schon guter Dinge, dass wir die größere Insel Aegina erreichen können, also motoren wir. Und tatsächlich, der Wind kommt zurück und bringt uns zu einem recht passablen Am-Wind-Kurs bei Vollsegel mit 4-5 Knoten Fahrt und einiger Kränkung (für erfahrene Segler sicher ein Kinderspiel, für mich ein echter Nervenkitzel) voran. Bis zur ausgewählten Bucht gilt es außerdem, einem regen Fährverkehr anzuweichen. Von der mit Riffs umrandeten Bucht dann noch ein zur inländischen Nachtwanderung ausartender Abendspaziergang zum Supermarkt, der leider wegen Sonntag geschlossen hat! Ein Minimarktkiosk auf dem Weg rettet uns in unserem Lebensmittelnotstand.

31.08.2026 + 01.09.2026 Um gut und sicher die Fahrrinne vor Athen queren zu können, müssen wir an einem östlichen Punkt von Aegina starten. Unser nächstes Ziel dementsprechend: Agia Marina, ein kleines Touristenstädtchen in gut geschützter Ostbucht. Allerdings ist heute leider gar kein Wind und wir motoren bis dahin die Nordküste entlang. Die Bucht ist wunderbar, das Ankern auch in einiger Tiefe klappt famos. Der ideale Ort für einen Ruhetag. Die Insel soll gutes Trinkwasser aus der Leitung haben, also besuchen wir gleich zweimal hintereinander das ruhige, weil schön abgelegene Restaurant vor unserem Ankerplatz und dürfen unsere Wasservorräte auffüllen.

02.09.2026 Der Wind ab 9 Uhr soll für die Querung der Fahrinne hinüber zum Festland unterhalb Athens perfekt von Norden kommen – das ist unsere Chance. Wir können direkt die Segel setzen und recht lässig die Bucht verlassen. Bis zur Mitte der Fahrrinne läuft alles super. Die Fahrinne ist auch gar nicht so stark befahren, wie erwartet. Dann flaut der Wind ab, dreht auf Ost und treibt uns südlicher voran. Wir waren gerade eben noch 4 km vor der Insel Fleves, als wir unseren Fehler bemerken: Der Wind nimmt natürlich nach dem Richtungswechsel immer weiter zu, die Wellen bauen sich auf und wir sollten dringend den kürzesten Weg zur nächsten geschützten Bucht einschlagen. Diese ist auf Fleves, inzwischen wieder 7 km entfernt und sehr ungemütlich nur gegen die Welle motorend zu erreichen, wobei wir vorher noch die Segel im Getöse herunternehmen müssen und dann kaum gegenan vorankommen.

03.09.2026 Um es vor dem angesagten Wind nach dem vorangegangenen Erlebnis rechtzeitig ans Festland zu schaffen, starten wir mit Sonnenaufgang um kurz vor 7 Uhr. Aber Wind, Böen und Wellen lassen nicht lange auf sich warten. Heute können wir kein Risiko mehr gebrauchen und motoren bis zum Festland zur erstbesten geeigneten Bucht. Wir sind inzwischen ziemlich desillusioniert, was die Weiterfahrt betrifft, denn wir haben verstanden, dass wir jetzt schon die Ausläufer des über die Ägäis wehenden Meltemi Starkwinds spüren, der von Norden weht und seine heftigste Zeit im Juli und August hat, aber in der Regel dann im September am Abklingen sein soll. In den nächsten Tagen sind aber weiterhin 4-5 bft Wind mit Böen von 5-6 bft angesagt. Von unserer Bucht aus lässt sich nur schwer an Land auf die stark befahrene Straße zum Supermarkt kommen, das Ankerlicht ist im Wind abgekracht, das Kabel zur PV – was gerade unsere einzige Stromlademöglichkeit ist – scheint defekt und wir drohen, elektronisch leerzulaufen. Zumindest zur nächsten Bucht mit besserer Infrastruktur müssen wir es also am nächsten Tag schaffen.

04.09.2026 + 05.09.2026 Wieder früh um 6 Uhr aufstehen und mit dem Sonnenaufgang los. Wir motoren unter Segel und kommen in der neuen Bucht bei Palaia Fokaia direkt mit Einsetzen der Böen an, schaffen es aber, gut zu ankern – das Ankern klappt immerhin immer besser, wenngleich das tolle Segelgefühl vom vielen Motoren etwas getrübt ist. In der weitläufigen Bucht fühlen wir uns erstmal ganz wohl. Wir können sogar den Dinghimotor wieder zum Laufen bringen, indem wir die Zündkerze reinigen. Das ist auch gut so, denn gegen die Böen und zwischen den inzwischen zahlreich übers Wasser peitschenden Windsurfern hätten wir es nicht rudernd bis an Land geschafft. Hier erwartet uns ein gut sortierter Supermarkt und ein ebenso ausgestatteter Elektroladen mit Kabeln aller Art – wir können wieder laden! Wir verbringen zwei Tage sehr angenehmes Buchtkino mit vielen bunten vorbeiziehenden Wind- und Wingsurfern.

06. – 10.?09.2026 Ein eintägiges Meltemi freies Zeitfenster tut sich auf, um auf die Ostseite der Südspitze Attikas zu kommen und in der sicheren Olympic Marina Zuflucht vor dem weiter zu erwartenden Meltemi zu nehmen. Wir starten früh, haben aber kaum Wind und motoren mit vielen weiteren Seglern am Poseidontempel vorbei und vom Saronischen Golf in die Ägäis hinein. Die Marineros in Olympic Marina geleiten uns mit ihrem Dinghi an unseren Liegeplatz mit dem sie uns geschickt in die Lücke schieben und sicher am kleinen seitlichen Steg bugseitig am Liegeplatz vertäuen. Hier gibt es endlich alles, um aufzutanken: Strom, Wasser, Diesel, Duschen, die Nähe zur Werft mit möglichen Dieselmotorspezialisten und Ruhe!

Die Marina liegt mitten im Nichts je 4 km vom nächsten Strand und zur Stadt Lavrio entfernt. Die Produkte des Minimarkts kennen wir schon gut. Wir haben erstmal bis Donnerstag verlängert und schauen, wie sich der Meltemi weiter entwickelt. Zwar hat uns die Werft und deren Mechaniker abgesagt, aber wir haben Angelos über den Nauticladen gefunden, der sich den Motor bereits angeschaut hatte, sich nach einem guten Handwerker anfühlt und hoffentlich die nötigen Ersatzteile für das Problem mit der Dieseleinspritzpumpe und dem kleinen Dieselleck bekommt, damit unser Motor uns Sicherheit gibt, wenn es irgendwann weiter von Insel zu Insel gehen soll.

bEMBELkINDER Boat Life, August 2026 _ 2 – Angekommen in Griechenland

Von Korfu nach Korinth

Nie war für uns wirklich klar, ob wir es tatsächlich nach Griechenland schaffen würden, da das Boot und unsere Seglerfahrung wirklich sehr klein sind. Aber wir haben es wirklich geschafft und sind von Kroatien über Montenegro und Albanien in Griechenland angekommen! Jetzt steht unsere letzte große Etappe bis in die Dodekanes vor uns. Wir sind so glücklich, dass die vielen zu beachtenden Formalitäten des Ein- und Ausklarierens, um den ordnungsgemäßen Länderwechsel zu vollziehen, nun hinter uns liegen! Um genügend Zeit für die Passage durch die Ägäis und den zum Glück ab September abklingenden Starkwind Meltemi zu haben, beschließen wir, nicht die Peloponnes zu Umrunden, sondern durch den Isthmus von Korinth – den man ja unbedingt einmal passiert haben sollte – abzukürzen.

08. / 09.08.2026 Wir sind nach dem glücklichen Einklarieren in Korfu Stadt noch ein bisschen die Ostküste Korfus entlang gesegelt, bis uns die Abendflaute doch eingeholt hat und wir den nächstgelegenen Ankerplatz angepeilt haben. Netterweise direkt vor Nicos Familientaverne, wo wir mit unserem Dingi auf dem 3 Meter Kiesstrand perfekt anlanden und die Vorzüge eines gut geführten Restaurants nutzen konnten. Am nächsten Tag war definitiv ein Ruhetag an der Tagesordnung mit maximal einem Landgang zum Supermarkt!

10.08.2026 Wir brauchen dringend wieder Trinkwasser und steuern deshalb den kleinen Hafen Petriti an, der an der östlichen Spitze Korfus nicht weit entfernt ist und wohl Strom und Wasser haben soll. Natürlich ist der Hafen voll und wir müssen davor ankern – noch ist Hauptsaison. Wasser per Dingi an Bord zu holen soll künftig das neue normal werden. Markus konnte den Hafenmeister aber überzeugen, uns einen kostenfreien Schlauch zu zeigen, auf die Stromversorgung müssen wir verzichten.

11.08.2026 Motorend entlang der östlichen Spitze Korfus geht es dann mit einer schönen Brise quer übers Wasser in guter Raumwindfahrt ans griechische Festland. Hier ankern wir zwar mit gutem Schwell, aber in einer sehr schönen Badebucht – hier dachte ich noch, wir könnten die Sonnenfinsternis sehen, die aber in Griechenland nicht wirklich zu sehen war. Dafür gab es Sternschnuppen!

12. + 13.08.2026 Zum Strandduschen und Cafétrinken fahre ich mal solo an den Strand, da Markus am Tag zuvor schon den viel zu teuren Minimarkt als Landgang hatte. Leider zu spät entdecke ich, dass es sogar auch ein richtiges Duschhäuschen gegeben hätte. Zurück an Bord mit segeln wir weiter in eine geschützte Bucht, die der Westblick ohne Sonnenfinsternisoption durchaus irrelevant geworden ist. Als blinden Passagier führen wir eine Gottesanbeterin mit uns. Der Anker gut, die Nacht ist ruhig und sternschnuppenreich, sodass wir noch eine weitere Nacht bleiben, auch wenn es hier viel freudiges Publikum mit Motorbooten und Jetski-lover gibt.

14.08.2026 Wie auch immer, es muss weiter Richtung Süden gehen, der Wind bläst gut von hinten und wir fahren Raumwindkurs mit ordentlichen 3 Knoten Fahrt. Dann sehen wir langsam Gewitterwolken aufziehen, die zwar nicht angekündigt waren, aber nun hinter uns her über dem Festland hinwegwehen. Der Wind frischt weiter auf und wir steuern bei inzwischen 6 Knoten Fahrt die nächste geschützte Bucht an – auch wenn das Gewitter im Hinterland heruntergehen soll, sicher ist sicher. Zum Glück haben wir uns so entschieden, denn der kleine Ort ist so schön unscheinbar, hat einen günstigen Supermarkt und eine tolle Taverne mit Blick auf das Boot und köstlichen Scampis.

15.08.2026 Als hätte es so sein müssen, haben wir dummerweise in der Taverne am Vorabend unseren Akkupack an der dortigen Steckdose vergessen, rudern also noch einmal an Land, genießen in der Taverne guten griechischen Kaffee und bekommen von der sympathischen über 70jährigen Wirtin, mit der man sich auch ohne Englischkenntnisse mit Händen und Füßen gut verständigen kann, noch eine Flasche ihrer Oliven mit auf den Weg. Heute soll es in die Marina in Preveza gehen. Wir fahren Am-Wind-Kurs mit 3 Knoten Fahrt und müssen später in die Fahrrinne nach Preveza einbiegen, wo die See ganz schön kappelig wird. Aufregung natürlich beim Anlegen in der Marina, denn wir müssen mit der AEGIS unbedingt mit dem Bug an den Pier, weil unser Ruderblatt etwas hinten herausragt. Man muss wissen, dass die bevorzugte Art des Anlegens beim Griechen das Anlegen am Heck entweder mit eigenem Buganker oder eben nur einer Mooringleine ist. Und wir haben auch noch Wind in der Marina. Irgendwie schaffen wir es aber mit dem herrischen Marinero und der einen Mooringleine sicher festzumachen. Preveza ist einer der Seglerspots, wo auch viele ihr Boot überwintern oder von wo aus gechartert wird. Dementsprechend groß ist die Marina und hat gegen Abend ansteigend viel zu viel Publikumsverkehr. Strom und Wasser muss online freigeschaltet werden und der Vorgang fühlt sich bürokratisch recht ähnlich dem der Permit-Formularen an – einfach geht anders. Aber wir können uns mit Strom und Wasser volllaufen, Wäsche waschen und duschen, insofern schlussendlich ein gewinnbringende Stopp.

16.08.2026 Noch schnell an der Tankstelle angelegt und wir nehmen Fahrt auf den Lefkas-Kanal, der uns auf der Ostseite von Lefkas ins Meer entlässt. Auch mit gesetzten Segeln erreichen wir die Einfahrt pünktlich um 14:00, wo wir uns mit zahlreichen Booten im Reißverschlussverfahren in den engen Kanal einfädeln und auch immer wieder entgegenkommenden Boote noch durch die wartende Bootsschlange querschießen wollen. Ein ganz schönes Chaos, aber alle kommen gut auf der anderen Seite an und setzen die Segel für jede erdenkliche Fahrtrichtung. Wir fahren weiter gen Südosten und haben auch ordentlich Fahrt. Am späten Nachmittag allerdings wird die See immer kappeliger und ein nahezu plötzlicher Windrichtungswechsel lässt uns schnell, aber doch auch wieder etwas zu spät, als dass es nicht ein waghalsiges Manöver gewesen wäre, die Segel bergen und die nächste geschützte Bucht anfahren. Gleichzeitig hören wir unseren ersten Mayday-Ruf über Funk und sind froh, gerade noch rechtzeitig selbst gehandelt zu haben. In der Bucht ist es allerdings recht tief und wir lösen das Ankerproblem erstmalig mit dem Werfen von Bug- und Heckanker, damit wir nicht schwofen und an die vorgelagerten aus dem Wasser ragenden Felsen prallen können. Ankermanöver gut vollbracht.

17.08.2026 Beim schnellen Einholen der Segel am Vortag hatte sich dummerweise erneut das Großfall um das Arbeitslicht gewickelt. Unsere Techniken, es wieder zu lösen, werden immer raffinierter – diesmal mit zwei Leinen. Als wir um 12:00 loskommen, ist schon guter Wind und die See wieder recht rauh. Und dann … sehe ich unseren schönen Ballonfender weiter hinten im Wasser treiben. Zu spät, den können wir nicht mehr retten und müssen uns leider verabschieden. Wir haben zum Vorankommen schönen raumen Wind bei 4-5 Knoten Fahrt und freuen uns auf die nächste geschützte Bucht mit Städtchen und Infrastruktur. Doch der entgegenkommende Fallwind in der Bucht macht Einlaufen bei gleichzeitig auslaufender Fähre und Ankern zur Zerreißprobe. Nach drei Anläufen will der Anker endlich halten.

18.08.2026 Den Wind vom Vortag hätten wir zum Auslaufen gut brauchen können, aber der Wind hier im Mittelmeer ist grundsätzlich „ein Arschloch“ und macht, was er will. Während wir so gemütlich langsam am Wind aus der Bucht und die vorgelagerten Inseln zwischen den Fischfarmen dümpeln, haben wir ein bisschen mit Segeltrimm und Holepunkt gespielt – so allmählich baut sich das Segelwissen Stein für Stein auf und bringt Erfolg mit sich. Als ich kurz davor bin, den Motor in der extrem langweiligen Flaute anzuwerfen, kommt doch noch der Wind zurück und peitscht uns im Halbwindkurs in gewünschte Richtung. Im Lagunengebiet vor Oxaiá gehen wir vor Anker- mit nur einem weiteren Boot ein recht einsamer Ort.

19.08.2026 Ein Wunderschöner Segelstart ganz ohne Motor direkt die Segel gesetzt und raus aufs Meer. Die Fahrt selbst im Kreuzkurs mit nur drei großen Schlägen bei 3-4 Knoten Fahrt läuft genauso wunderbar. So kann Segeln also auch sein! Im letzten Sonnenlicht Ankern wir reibungslos vor der Kaimauer in Kryonéri, einem atmosphärischen seltsamen Ort zwischen Lagune und riesigem Felsenberg gelegen. Der perfekte Tag … bis auf die extreme Mückenattacke, die mich noch tagelang beschäftigen sollte.

20.08.2026 Mit Bootskoller und Bewegungsmangel könnte man die Stimmung an Bord wohl beschreiben. Wir überzeugen uns, in nächste 1km entfernte Dorf zum Supermarkt zu laufen. Aber manchmal stimmen die Messungen in Google Maps nicht dringend mit der Realität überein oder können fehlinterpretiert werden. Aus 1km werden 4 immer an der Zufahrtstraße zum Hafenort und es wird heißer. Der Einkauf dafür durch erstandenen Spiritus zum Kochen ist sehr erfolgreich und wir finden auf dem Rückweg sogar einen geeigneten Wanderweg. Guter Stimmung – der Wind frischt leicht auf – streben wir nun der Brückendurchfahrt in den Golf von Korinth entgegen. Hier muss man sich 5 nm vorher über Funk anmelden. Es dauert nicht lange, der Wind schlägt plötzlich um – wir waren gerade darauf eingestellt, im Raumwind der Brücke entgegengedrückt zu werden – und blast uns mit immer heftigeren Schaumkrönchen auf den Wellenspitzen ins Gesicht. Es bleibt nur übrig, die Segel herunter zu nehmen und den Motor zu treten, um gegen an zu kommen. Die Rion-Brücke sieht wirklich beeindruckend aus. Allerdings fährt gar nicht so viel Verkehr, da die Maut recht teuer ist. So gibt es natürlich trotzdem viel Fährverkehr zwischen Festland und der Peloponnes. Toll, dass wir genau, während zwei Fähren uns kreuzen, unsere Durchfahrt anpeilen. Und natürlich bleibt der Gegenwind, bis wir unseren Ankerplatz bei Nafpaktos erreicht haben, bestehen. Die Stadt mit ihrer Burg ist toll beleuchtet, aber uns reicht der Anblick aus der Ferne vom Boot aus mit einem Glasl Landwein. Jetzt kennen wir den Düseneffekt von Ost bzw. West hier im Golf von Korinth, der nicht direkt in WINDY angegeben wird und wir beschäftigen uns eingehend mit den verschiedenem Wettermodellen und Angaben zu Böen und Dünung in der App.

21. – 23.08.2026 Der Morgen startet mit Hafenkino: ein Segelboot wird mittels eines Kranes und so einigen geschäftigen Männern aus dem Wasser gehoben und auf den Trockenliegeplatz gebracht. Nach dem Schauspiel geht es weiter. Gut vorbereitet mit 1. Reff können wir beim Am-Wind-Kurs 3 – 4 Knoten Fahrt machen bis uns doch nach halber Strecke wieder eine Flaute einholt. Zeit für ein Bad. Doch der Wind kommt nicht zurück und wir motoren zur Insel Trizonia. Wir finden hier einen perfekten Ankerplatz in der Bucht vor dem Stadthafen. Es ist wirklich eine so schön entspannte Insel, wie ein sympathisch geschriebener Navily-Kommentar (die ultimative Anker-, Marina- und Hafen-App) informiert, dass wir hier Pause machen wollen – ein segelfreies Wochenende mit Lesen, Ordnen, Reparieren, Wasser holen, Chillen, Wandern und uns als Restauranttester steht bevor.

24.08.2026 So schön es auch ist, aber es muss weitergehen, wenn die AEGIS nicht neben dem im Hafenbecken beim im Winterlager untergegangenen Segelboot überwintern will. Auch ein kleiner Käfer hat sich über die Dinghi-Leine an Bord geschlichen und fährt mit. Aber wieder lässt uns der Düseneffekt nach halber Strecke im Stich. Immerhin lässt sich eine Gruppe Delfine in der Ferne beobachten. Viel zu spät schmeißen wir schließlich den Motor an und fahren in der Dämmerung zwischen Fischfarmen in eine vor Einbruch der Dunkelheit erreichbaren Bucht vor Galaxidi nahe des Orakels von Delfi. Und mitten im Stress, ob wir noch rechtzeitig Anker werfen können, kommen uns Delfine so nahe wie nie zuvor und springen aus dem Wasser. Die Bucht ist dann recht klein und wir werfen sicherheitshalber noch den Heckanker, fühlen uns aber nicht 100% sicher, nachdem noch ein Fischer uns umrundet und drei weiße Hunde am Ufer streunen, dass wir an Bord bleiben.

25.08.2026 Zwar hat sich das Boot in der Nacht gedreht, den Ankeralarm ausgelöst und wir hatten ziemlich Schwell – also eine schlechte Nacht, aber letztendlich hat der Heckanker uns gesichert. Der Buganker war zu kurz gesetzt, was wir nicht mehr gesehen hatten. Also flux noch ein bisschen Kette nachlegen, damit wir die kleine 20-Minuten-Strecke zum Supermarkt zu Fuß erledigen können. Der Gang war gut, aber das Ergebnis des kleinen Einkaufs mit überteuerten Produkten grenzt an Wucher. Zurück in der AEGIS geht es direkt weiter unter Segel und Motor, weil kein Wind aufkommen will. Wir beschließen, die nächste sicher einsame Bucht anzulaufen und haben unbeschreibliches Glück: ein Traumort, ganz allein im Nichts; so tief und sicher mit zwei Ankern geankert, wie nie zuvor; den Heißhunger auf Grünes mit Brokkoli gestillt; den Abend zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang aufs magische Meer geschaut – so kann das Leben auch sein!

26.08.2026 Der Wind bläst heute schon sehr früh aus Westen über den Berg. Das Anker lichten fällt schwer und die schöne Idee, ohne Motor zu starten muss verworfen werden. Wir setzen nur ein ganz kleines Vorsegel quasi als Sturmfock, da die Wellen von hinten tatsächlich einen Meter hoch sind. Und vor allem haben wir die Rettungswesten direkt angezogen und uns eingepickt, denn die kleine AEGIS wird wie eine Wallnussschale über die See geschaukelt. Zunächst ist die Situation schon etwas Angst einflößend, aber an Rückkehr gegen die Welle an ist nun auch nicht mehr zu denken. Aber nach einer Weile bekomme ich doch gutes Gespür für Pinne, Welle, Böe und Segel und ich nehme die Herausforderung immer gelassener an. Da wir wirklich gut mit 4 Knoten Fahrt durchkommen, fahren wir weiter als geplant und steuern ein besser gegen Westen geschützte Bucht an. Kurz vor der Einfahrt in die Bucht von Paralía wird es dann sogar windstill, nur die Welle klingt noch länger nach. Wir haben zwar etwas dicht am Badestrand geankert, aber sind zu erschöpft, um ein erneutes Ankermanöver zu starten, also wird fleissig um uns herumgeschwommen.

27.08.2026 Was gestern zu viel war, ist heute natürlich zu wenig: Wir motoren aufs Meer hinaus, um unsere Morgentoilette zu erledigen und Kaffee zu trinken und warten auf Wind, der fern bleibt. Also doch wieder motoren in Richtung der Bucht von Korinth. Kurz vor der angesteuerten Bucht frischt der Wind oder besser der Düseneffekt so auf, dass man wieder das Großsegel nur unter Anstrengung bergen kann. Und dann werden wir von einem Polizeiboot auch noch angesprochen, dass man hier nicht ankern darf! Zu unserer Befriedigung wird aber and die Superyacht zum Wegfahren aufgefordert. Also schnell das Vorsegel noch einmal raus und von den Lehren des Vortages profitiert: wunderbares Vor-dem-Wind-Segeln schenkt und noch ein paar Meilen Segelvergnügen. Dann noch einen Sprung motoren bis zu einem geeigneten Ankerplatz und der Passage durch den Isthmus von Korinth steht nichts mehr im Wege.

Ab morgen fängt also eine neue Etappe an: Wir werden ins Saronische Meer einfahren und die tückischen Düseneffekte des Golfs von Korinth hinter uns lassen. Dann beginnt die aufregende Zeit in der Ägäis von Insel zu Insel, mit der Hoffnung, dass der aus Nordosten kommende Starkwind Meltemi im September abklingt, wie prognostiziert!

bEMBELkINDER Boat Life, August 2026 _ 1 – Albanien

Achttägiges Nonstopp-Albanien-Abenteuer

01.08.2026 Morgens sieben Uhr in Montenegro: Die Crew macht das Schiff klar und die Leinen los, um souverän aus dem Yachthafen herauszumanövrieren und an den Q-Dock wieder anzulegen und verlässt abgestempelt und mit einem Shot heißen Cappuccino im Bauch das Land auf direktem Seeweg der 39 nm Strecke entgegen. Spiegelglatte See begrüßen das motorende Segelboot, das südliche Montenegro ein reizender Anblick, die interessant aussehende Stadt Ulcinj muss ohne Besichtigung passiert werden. Und dann kommt endlich der Wind und bläst uns hinaus auf die weite See! Mit 5 Knoten Fahrt ( das entspricht fast 10km/h) schiebt uns der Raumwind unter Kreuzkurs der albanischen Grenze entgegen, die erste lagunenartige flache Bucht wird so umschifft – nur der Klang von waberndem Infrabass lässt uns nicht allein. Bei Grenzübertritt wird vorsorglich sowohl die Gastlandflagge als auch die um Aufnahme bittende gelbe Q-Flagge gehisst. Die Begrüßung im Einklarierungshafen Shëngjin ist von Anfang an wild. Extrem ablandige heißen Winde begrüßen uns plötzlich und die Notwendigkeit von blitzschnellem Reagieren beim Segeln wird erneut sehr deutlich. Der Hafenmeister funkt plötzlich auf Kanal 16, der Wind pfeift über die Bucht, die Ankerstelle ist unklar und wir haben gerade kein Netz, um den Agenten für das Einklanieren zu kontaktieren, den man hierfür wirklich einschalten sollte! Vielleicht etwas nah an einer Jetski-Absperrboje, so doch gefühlt sicher im Sand der städtischen Strandbucht und nah genug am Treffpunkt geankert, verlässt die Crew die AEGIS mit dem Dingi, um den Agenten Orion in der Strandbar zu treffen. Die Stimmung ist locker, unterstützt durch Ankerbierchen und Schattenplatz; die Unterlagen sind vorbereitet und schnell vom Captain unterschrieben; die Crew chilled, während der Agent die Formalitäten beim Zoll und Hafenamt erledigt. Leider bekommen wir die abgestempelten Papiere erst am nächsten Morgen. Doch das Boot steht angeblich gut und wir können uns schon frei zum Einkaufen bewegen. Zurück am Strandbarsteg spricht uns einer der Jetski-Verleiher an, dass wir zu dicht an seiner Absperrboje liegen und diese berührt hätten. Wir versichern, dass wir sofort umankern, es wird ja schon dunkel! Mitten im Prozess steht der Mann auf seinem Jetzki neben uns und tippt aufgeregt in sein Übersetzungsprogramm auf dem Handy. Wir hätten etwas gekappt. Zu diesem Zeitpunkt ist der Anker schon fast oben, doch sein Bojenseil hängt unter Spannung – also noch sehr fest verankert – an unserem Anker. Der Albaner tippt weiter, Markus springt ins Wasser, befreit den Anker und jetzt driften wir natürlich – gegen ein kleineres Fischerboot, weil wir mit dem Albaner im Gepäck, Markus im Wasser und ich im Bug am Anker nicht schnell genug von der Stelle wegmotoren können! Ich rufe leider viel zu laut, weil überfordert, FUCK OFF, was für den albanischen Patriarchen zu FUCK YOU mutiert und diese Beleidigung seiner selbst nun in den Fokus rückt. Markus kann noch relativ schlichten und weitere Gespräche auf den nächsten Morgen schieben. Erneut im Dunkeln geankert, hoffen wir auf Abendruhe. Doch plötzlich sehe ich eines der beiden Fischerboote, die mir zuvor als Ankerpeilung gedient hatten, an falscher Stelle: es driftet auf ein anderes Segelboot zu und dann Richtung offenes Meer. Wir werden mit unserem Dingimotor das Boot nicht schnell genug erreichen, zumal wir ihn ja noch nicht wirklich benutzt hatten. Wir informieren den Agenten Orion. Nach kurzer Zeit wird das Boot zum Glück mit einem Jetzkyi zurück geholt. Auch der nette Engländer vom Nachbarboot kommt vorbei, der von Orion informiert wurde. Und wir sind gezwungen, uns mit dem Dingi auseinanderzusetzen, weil es in der Hektik nicht ansprang.

02.08.2026 Morgens neun Uhr in Albanien: Agent Orion überreicht uns die Papiere und wir können frei die Küste Albaniens bereisen. Trotzdem bleibt meine Beleidigung für den im weiteren Job im Hafenamt beschäftigten Mann bestehen, denn er nimmt meine mehrfach beteuerte Entschuldigung nicht an. Nur weg hier. Nach der halben geplanten Strecke ist Flaute angesagt, die wir zur Erholung nutzen. Dann geht es zum Ankern an ein ruhiges Kap mit Fischzucht und kleinem Strand. Hier wird uns langsam klar, dass auch der Dingimotor nicht reibungslos funktioniert, sondern entweder der Schalter ausgeleihert ist oder die Zündkerze nicht mehr so frisch zu sein scheint. Aber es gibt 1x selbstgemachte Pommes an der Strandbar!

03.08.2026 Wir wollen es hinter den großen Hafen von Durrës schaffen. Zunächst noch guter Wind müssen wir aber schon hinterm Kap von Durrës motoren, um durch die riesigen ankernden Frachtschiffe hindurch zu manövrieren. Wir ankern im Sonnenuntergang neben einem unfertigen kleinen Hafen und bleiben über Nacht mit einigem Schwell das einzige Schiff.

04.08.2026 Zwischenstopp am Strandörtchen Spille ist geplant – es soll eine Tankstelle nahebei geben und wir brauchen Lebensmittel. Der Strand geht an diesem Küstenabschnitt sehr flach ins Wasser und wir lernen mit Hilfe der Jetzki-Wasserpolizei, wie weit draußen wir noch ankern können. Die Tankstelle ist einige schweißtreibende Kilometer entfernt. So sehen wir auch mal was vom Hinterland Albaniens! Völlig geschafft, aber die AEGIS sicher im Wasser verankert erspähend, gönnen wir uns frischen Fisch an einer Strandbar – sehr gute Garnelen waren das! Gestärkt geht es weiter. Zwar bringt ein passabeler Halbwind uns ein gutes Stück voran, doch es ist noch eine größere Entfernung bis zum nächstmöglichen Ankerplatz, als dass wir es vor Sonnenuntergang – es ist in diesen Breitengraden schon ab 20:30 dunkel – segelnd schaffen können. Wir starten den Motor um 18:30, umrunden das untere Kap und motoren mit voller Nachtbeleuchtung in zunehmender Dämmerung bei bereits verschwundener Sonne auf unseren Ankerplatz zu, als Markus im Ausguck ein unbeleuchtetes Fischerboot erspäht und ich bei gedrosselter Fahrt gleichzeitig einen Ruck verspüre – eine Sandbank aufgrund der Flussmündung an Land! Schnelles beherztes Handeln von Markus und wir sind zum Glück nicht aufgelaufen. Vorsichtig nehmen wir Abstand vom Fischer und ankern.

05.08.2026 Am Morgen werden wir begrüßt von der Jetzki-Wasserpolizei, die uns kontrolliert und auf die Flachstellen aufmerksam macht, die bereits anderen Seglern zum Verhängnis wurden. Das Kartenmaterial ist da in der Tat sehr ungenau, die Sandbänke verschieben sich durch die Strömung der Flussmündung und wir haben kein funktionierendes Echolot zur Tiefenmessung – es hat einen Wackler oder ich verstehe es einfach nicht! Wir machen mit gutem Vorankommen bei Westwind einen großen Bogen westlich an der Kardinalstonne vorbei, wie geheißen. Aber wir biegen eindeutig zu früh in die große Bucht von Flore ein, wo das ganze nördliche Ufer noch Lagunengebiet ist und – laufen ernauf eine Sandbank. Es ist nicht so einfach, wieder herauszukommen, wie am Vorabend. Bei der Maßnahme, das Schiffchen mit Dingi und Motor zu ziehen, springt der Motor nur kurz an und Markus treibt mit dem Dingi ohne Ruder ab, nimmt das zum Glück rechtzeitig war und kann mit dem Dingi im Schlepptau zurückschwimmen. Beim Tauchen stellt er fest, dass wir nicht richtig fest aufliegen sondern nur durch Wellenschlag immer auf die Sandbank dotzen und wir kommen zum Glück noch ganz vorsichtig los. Mit einem riesigen Bogen um das Untiefengebiet setzen wir den Weg an die Nordseite der Narta Beach bei Zwërnec fort, ankern recht weit draußen und paddeln – weil der Dingimotor nun einfach nicht mehr mitmacht – an Land für Lebensmittel und Ankerbiere.

06.08.2026 Zwar geht es nunächst ohne Motor nur durch den Wind getragen soft aus der Bucht, doch diese erste Brise bringt uns nicht ganz durch die kleine Meerenge zwischen Festland und Trump’Tochter erworbener Naturschutzinsel, die ja nach Meinung der rich lady unbedingt in ein Reichenresort umgewandelt gehört, wogegen die Bevölkerung derzeit zum Glück erfolgreich demonstriert. Eine wunderschöne Strecke entlang der Felsenküste erwartet uns, teils motorend, teils mit gutem Raumwind kreuzend, bis die ablandigen Winde am Abend uns erneut zum Motoren bis zur Ankerbeach zwingen. Wir sehen auf der Fahrt unendlich viele neu hochgezogenen Hotelkomplexe, die bestimmt nicht der Anzahl des Tourismusaufkommens entsprechen und ankern an einer ebensolchen Beach mit ewiger Promenade und Polster-Strandequipment. Heute setzen wir uns mit der Beantragung der Permit für Griechenland auseinander. Man merkt, dass dort die Bürokratie erfunden wurde und mindestens so komplex und starr ist, wie in Deutschland. Zum Glück gibt es inzwischen youtube Erklärvideos!

07.08.2026 Weiter geht es immer dem Ausklarierungshafen entgegen. Motoren, schöner Raumwind, Flaute – das wird allmählich zum Rhythmus. Doch welch liebliche Unterbrechung der Monotonie: ein riesiger Schwarm Delphine auf den Spuren der Fischerbootrückstände zieht durchs spiegelglatte Meer und springt freudig aus dem Wasser – atemberaubend! Ein kleines Bad bei 100 Meter Meerestiefe am Dingiseil und wir müssen schließlich weiter motoren, um hoffentlich vor Sonnenuntergang zu ankern. Das gelingt uns dann leider nur bedingt, weil der Anker in ausgewählter Bucht nicht sofort ankern will und uns mehrere Anläufe bis zur Dunkelheit abverlangt. Doch die Strandbar nahebei hält italienisch-albanische Pizza bereit.

08.08.2026 Tag des Ausklarierens aus Albanien, Saranda und Einklarierens in Griechenland, Korfu Stadt. Aufbruch nach Saranda Hafen um 09:00 früh; Informieren des Hafenmeisters über Funk; Ankern im trubeligen Hafen. Zur Sicherheit bleibt Markus an Bord, während ich zur Agentin an die Zollstation herüberpaddele. Vor mir allerdings müssen noch die Menschen der gerade angelegten Fähre abgefertigt werden. Und dann kann es endlich Richtung Griechenland gehen. Wir haben einigermaßen Wind, um die Griechische Gastlandfahne auf der Wassergrenze beim Segeln zu hissen und steuern Korfu Stadthafen an. Hier wieder einmal an einem schlecht geschützten Pier anlegen, aber die AEGIS steht sicher gegenüber AIDA Kreuzschiffen vertaut. Vom Hafenbüro zur Grenzkontrolle zurück zum Hafenbüro führt der Einklarierungspfad, aber ab jetzt ist dieses Prozedere für uns vorbei, denn die AEGIS soll in Griechenland bleiben! Eine Stunde dürfen wir am Pier stehen, noch schnell eingekauft und weiter geht es an der Ostseite Korfus nach Süden, um endlich richtig anzukommen.

bEMBELkINDER Boat Life, Juli 2026 _ 3 – Südkroatien und Montenegro

Grenzen überschreiten – Segeln heißt an Grenzen kommen

Es beginnt tatsächlich allmählich die Zeit, dass man von routiniertem Segeln sprechen kann und wir uns zum richtigen Segeltrimm Gedanken machen, anstatt einfach nur die Segel zu hissen. Die folgende Strecke bis Ende Juli führt durch Südkroatien und Montenegro, wir gönnen uns kaum einem Tag Segelpause und durchleben so einige Stressmomente, die ziemlich an den Nerven zerren. Aber trotzalledem – je ne regrette rien!

22.07.2026 Nach der heftige Gewitternacht erwachen wir mit den typischen Touribadebooten in der Bucht, als ob nichts gewesen wäre. Anker und Landleine haben uns sicher gehalten. Zunächst bei schwachem Wind gestartet, können wir dann doch mit einem ordentlichen Am-Wind-Kurs zwischen den Inseln Hvar und Poluotok in fünf Schlägen bis zur Spitze Poluotoks düsen, um schließlich in rasanter Fahrt nach Lovište in die geschützte Bucht einzulaufen und glücklich ein altes Bojenseil zu ankern, was uns sehr gut hält. Ein Landspaziergang mit Einkauf, Trinkwasser und einem guten Essen belohnen die durchgestandene letzte Nacht und das Dorffest beschallt uns zum Schlafen mit Schlagern.

23.07.2026 Wir starten ganz gemütlich nach dem Schwimmen und Mittagessen auf 15:00 und bekommen den Anker zum Glück gut vom Bojenseil los. Heute steht der Pelješki Kanal auf dem Programm. Hier wird per Funk auf Kanal 16 als Securite bereits über einem Surferwettbewerb informiert. In großen Schlägen geht es quer durch den Kanal und schließlich auch mitten durch die Windsurfer. Eine geeignete Bucht finden wir direkt am östlichen Strandhafen. Das Restaurant gegenüber hat keinen Tisch frei, aber die Abende an Deck mit einem Ankerbierchen sind sowieso die schönsten.

24.07.2026 Ein etwas holpriger Start wirft die Vorzeichen auf einen turbulenten Tag voraus. Es ist doch ganz schöner Seegang, der uns entgegenkommt. Die Ankerkette ist noch nicht ganz im Kasten; wir beschließen, das Großsegel nur im 2. Reff rauszulassen; Markus muss sich gut festhalten; der Anker rutscht auf Grund des harten Wellenschlags auf den Bug plötzlich wieder ein Stück ins Wasser; Markus ist aber noch nicht mit dem Großsegel fertig; irgendwann ist alles zum Glück wieder im Lot und Markus sicher in der Plicht zurück – im Nachhinein ist uns sehr wohl klar, dass bei diesem Wellenschlag dringend die Rettungswesten nötig gewesen wären (jetzt lese ich das Buch „Yachtunfälle und wie man sie vermeiden kann“ mit nützlichen Tipps!). Und schließlich fährt es sich mit beide gerefften Segeln und ohne Motor trotz Welle etwas ruhiger😉 Eine neue Lektion im weiteren Tagesverlauf ist das Segeln mit heftigen Böen. Es zerrt zeitweise ganz schön am Ruder und lässt uns zwischendurch im Flautenloch verhungern, als wir durch den Mljetski Kanal müssen. Am 0stende der Halbinsel Polutok/Pelješac erwartet uns aber eine recht schöne Bucht, bei der wir allerdings beim Ankern auf eine riesige Steinplatte achten müssen, die dem Strand vorgelagert ist.

25.07. – 28.07.2026 Wir haben beschlossen, auf die Insel Lopud zu Segeln, von der aus wir am übernächsten Tag (Montag) eine Fähre nach Dubrovnik nehmen wollen. Wir brauchen noch Fahnen von Montenegro und Albanien und wollen die Elektroläden nach möglichen Ersatzteilen für den defekten Adapter abklappern – wir können unter aktuellen Strombedingungen die Kühlbox nicht mehr laden. Das Segeln im kreuzenden Raumwind macht Freude und bringt uns in die für die nächsten beiden Tage windgeschützte Bucht bei Lopud City, denn es soll nachts stürmischer werden. Erfolgreich im Wind geankert, begeben wir uns mit dem Dingi auf Landerkundung, bedenken die Brandung am Ufer nicht … und werden beim Aussteigeversuch nass bis auf die Knochen. Aber nette Menschen helfen, wir trocknen und fahren wieder zurück. Unser Plan war nun, am nächsten Tag an einer Restaurent-Boje festzumachen, die diese für eine Mahlzeit zur Verfügung stellen, doch als wir das Anlegemanöver erfolgreich hinter uns gebracht hatten, kam der Hafenmarinero und informiert uns, dass alle Bojen bereits vorreserviert sind an diesem Sonntag und wir leider wieder ankern müssten. Naja, ein Übungsmanöver schadet nie, das teure Essen bleibt erspart und wir genießen trotzdem Leckereien an der Promenade! Montag früh um kurz vor 7:00 startet unser Fähre nach Dubrovnik, wo wir insgesamt 5h mit dem Durchwandern von Neustadt und Altstadt verbringen. Im Unesco Welterbe sind definitiv auch schon vormittags zu viele Menschen unterwegs, auch wenn wir froh sind, dagewesen zu sein.

28.07.2026 Heute können wir nun mit den richtigen Fahnen gewappnet Fahrt auf den Ausklarierunshafen Cavtat nehmen. Nur 2 bft Windstärke bringt uns durch langwieriges Halsen schließlich um 19:00 in den Hafen. Nach einigen Schwierigkeiten, einen guten Ankerplatz zu finden, zeigt der Landgang uns eine viel zu volle Touristen überlaufene Promenade statt eines erhofften beschaulichen Fischerdörfchens – mit frischem Wasser und Ankerbierchen machen wir uns also schnell wieder zurück an Deck. Weil wir unserem Anker diesmal nicht ganz trauen und die Nacht angenehm lau ist, schlafen wir an Deck. Leider finden Jugendliche an der Promenade unseren ruhigen Platz auch ganz toll und verweilen dort ein Weilchen.

29.07.2026 Um direkt um 8:30 beim Hafenmeister zu sein, wollen wir früh wach werden, allerdings nicht so früh, wie der Straßenreiniger mit Laubpuster seinen Dienst beginnt! Glücklich den richtigen Eingang zur Hafenmeisterei gefunden, geht dieser Vorgang auch recht fix. Nun noch zur Zollpolizei. Leider müssen wir dazu mit dem Boot noch am Q-Dock anlegen, wie uns die nette Polizistin auf der Straße informiert. Also geschwindt zurück ins Boot, alles klar zur Abfahrt machen und einmal rüber zum Anlegen bugseits ohne Mooringleinen anlegen. Markus hält die AEGIS zwischen den Superyachten möglichst Parallel, während ich die Polizeiwache zum Ausklarieren im Hintereingang eines Restaurants finde und der Polizist sich nicht einmal für unser Boot am Q-Dock interessiert, aber durchaus nett ist. Jetzt müssen wir durchfahren ohne Stopp oder gar Landgang bis zum nächsten Einklarierungshafen in Montenegro. Für kleine Schiffe, wie unsere AEGIS sind 27nm bei wenig Wind eine Herausforderung. Wir motoren bestimmt 22nm die Küste entlang, bis wir in die große fjordähnliche Bucht Hercegnovski Zaljev mit Kurs auf Zelenika einbiegen und die letzten Meter – empfangen von massenweise kreuzenden Motorbooten – noch ein bisschen Segeln können. Gleich beim Passieren der Grenze wird die montenegrinische Gastflagge gehisst. Das Anlegen am schlecht geschützten Q-Dock bei stärkerem Wind klappt leidig, aber ohne Schrammen fürs Boot. Hier in Montenegro hat die Grenzpolizei zumindest einen guten Standort und das Hafenbüro ein stattliches Steinhaus. Mit neuer Vignette ausgestattet, aber ohne Internet, weil die falsche E-Sim und noch keine Prepaid Karte bekommen, versuchen wir einen geeigneten Yachthafen weiter westlich zu finden und ergattern noch einem Liegeplatz in Herceg Novis Stadthafen – zwar mit Strom und Wasser, aber ohne Duschen und Toiletten und sehr, sehr, sehr, laut – Musikbeschallung mit Infrabass bis bestimmt 3:00 nachts!

30.07.2026 Dieselkanister aufgefüllt und noch schnell ein Bad mit kalter Stranddusche und nichts wie weg auf der Suche nach ruhigeren Orten. Zwei unruhige Nächte liegen schon hinter uns. zunächst noch Flaute, treibt uns ein schöner raumer Wind mit bestimmt 3bft Windstärke gen Budva. Die geplante geschützte Bucht bietet leider erneut eine Infrabass Geräuschkulisse, also nutzen wir den tollen Wind und segeln weiter. Auf der Ostseite der Budvabucht ankern wir unter wilden Bedingung in der bei Navily als einzig wilde Bucht beschriebene Stelle, mit der Gewissheit, dass der Wind in der Nacht quasi Zero ist. Das stimmt auch, doch schüttelt uns ein ordentlicher Schwell aus Westen die ganze Nacht durch – die dritte Nacht in Folge kaum an Schlaf zu denken.

31.07.2026 Heute soll es weitergehen nach Bar zum Ausklarieren. Geplant ist, weil die Strecke zum ersten Hafen viel zu weit ist und das Hafenamt am Wochenende wohl nicht geöffnet hat, hier am Nachmittag auszuklarieren und im montenegrinischen Gewässer noch einmal zu ankern. Schwüle Hitze empfängt uns am Q-Dock in Bar. Schweißgebadet stehen wir im Hafenbüro, als die Meisterin endlich aus der Mittagspause kommt. Aber unser Plan geht nicht ganz auf. Die freundliche Dame gibt uns zwar den Stempel für den nächsten Tag, aber wir müssen am nächsten Morgen in Bar bei der Grenzkontrolle noch unseren Stempel holen, weil wir definitiv nicht stoppen dürfen und auch keine Nachtfahrt wagen. Zum Glück ist die Dame an der Rezeption des Yachthafens nebenan so unfassbar hilfsbereit und wir dürfen hier die Nacht verbringen, wenn wir bis 8:00 am Morgen wieder weg sind. Das war ja sowieso der Plan, um den Einklarierungshafen in Albanien überhaupt erreichen zu können. Jetzt haben wir doch eine relativ ruhige Nacht vor uns – zwar mit freitäglicher Livemusik aus der Strandpromenade (nur freitags kann es in Bar etwas lauter werden, meinte die Rezeptionistin noch scherzhaft) – aber mit Strom und Kaltgetränken, die uns bis Albanien bringen sollen.

Alles hier ist und bleibt eine Grenzerfahrung. Jeder Moment will neu entschieden werden. So vieles passiert zum ersten Mal und ist beim nächsten Mal wieder anders. Egal, wie grenzgängig manche Momente bisher vielleicht waren, dieses rassante Leben, wo kein Tag dem anderen gleicht und jeder Moment eine Überraschung bereit hält, während man gleichzeitig die meiste Zeit entspannt aufs weite Meer schaut, fühlt sich gut an!

bEMBELkINDER Boat Life, Juli 2026 _ 2 – Die Mitteladria

SEGELN – Täglich neue Vorkommnisse

10.07.2026 Auf der Suche nach einer ruhigen einsamen Bucht werden wir am südlichen Ende von Murter fündig – so scheint es zunächst. Anfangs ist allerdings noch ziemlich unruhige See (aber wir schaffen es zu ankern). Ein heißer Kaffee wäre schön, doch unser Petroleumkocher beschließt, das Zeitliche zu segnen. Naja, Frappe schmeckt bei Hitze sowieso besser und Salate gehen immer. Später stellt sich die Bucht als sehr beliebter Schnorchel- und Sonnenuntergangsspot heraus. Die Nacht ist aber dann so ruhig, wie erhofft.

11.07.2026 Weiter geht es und wir sind erst noch glücklich, dass wir das um die Arbeitsleuchte gewickelt Großfall mit einer Hilfsleine befreien können und, dass die spektakuläre Wolkenformation „nur“ ein vorbeiziehendes Gewitter ist. Doch dann lernen wir die Winde kennen, die auch ein entferntes Unwetter erzeugen können: Wir kämpfen schwer, um im 2. Reff und kleiner Genua gegen den Wind anzukommen, ein kleiner Riss im Vorsegel, dann geben wir auf und motoren … der plötzlich langsamer läuft und Markus zum Glück blitzschnell erkennt, dass jetzt sofort Diesel nachgefüllt werden muss – alles immer noch im turbulenten Gegenwind. Aber alles geht gut und wir ankern in Kaprije in der Bucht mit dem müllig verlassenen Wohnwagen. Eine recht ruhige Bucht,dann kann man auch noch den Weg zum Einkauf ins Dörfchen wagen. Der geht allerdings recht ungemütlich am felsigen Meeresrand entlang, aber es gibt noch einen eingezeichnet Pfad, den wir auf dem Rückweg versuchen und der eher einer Dschungeltour gleicht. Der folgende Sonntag wird definitiv ein Ruhetag, bei dem wir das Boot nur zum Schwimmen verlassen!

13.07.2026 Wir haben mit Gafferband noch das Vorsegel geflickt und unsere Wunden geleckt. Die 4bft Halb- bis Raumwind reichen aber aus, um das nicht mehr ganz frische Gaffertape wieder zu lösen. Wir nehmen Fahrt auf ein größeres Städtchen an der Festlandküste, Primošten. So geschützt wie erhofft ist die Ankerbucht leider nicht, aber der Anker hält gut und wir lassen uns ein paar Stunden richtig durchschütteln, bevor wir unseren Landgang machen. Leider war das die falsche Stadt für den Nauticladen, aber die richtige für guten Wein, Ćevapčići und Internet in einer schönen Hafenkneipe und unser Rückweg im Dingi mit Stirnleuchte durch den Hafen, ganz großes Kino.

14.07.2026 Während wir am Tag zuvor 13nm in 3h geschafft haben, brauchen wir in die nächste Stadt Rogoznica drei Buchten weiter für 7,4 nm glatte 5h bei 2bft Südwind kreuzendem Am-Wind-Kurs und einer Mittagsflaute. Ankernd in einer zunächst einsam erscheinenden wunderbaren Bucht, waren wir plötzlich von Unterwasser-Selfie-schießenden Jugendlichen und weiteren Booten umringt, kaum das wir das Großsegel verstauen konnten. Wenngleich der Nauticladen hier nicht mit Segeltape aushelfen konnte, bot die hiesige 5 Sterne Marina freien Zugang zu Toilette, Dusche und Frischwasser und im Städtchen gab es wunderbar heißen Cappuccino und die weltbesten Ćevapčićisandwiches.

15.07.2026 Zunächst noch schön aus der Bucht von Rogoznica hinausgekreuzt, geraten wir leider erneut in eine saftige Mittagsflaute und müssen 1/2 h motoren. Wir erreichen schließlich die Insel Drenik Veli und brauchen 3 Ankeranläufe – nicht jeder Grund halt gleich gut. zu guter letzt überrascht uns das erste Gewitter vor Anker, aber alles hält gut.

16.07.2026 Supersegeltag, superanstrengend, aber richtig schön: 3-4 bft von N-NW bedeutet flotter Raumwindkurs mit Wellenreiten. Teilweise schaffen wir 7 Knoten! Nach 28 nm in 6,5h erreichen wir Pučišća auf der Insel Brač, ein nettes kleines Städtchen in gut geschützter Bucht, wo wir im Hafenbecken ankern können.

17.07.2026 Doch weil hier die Straße direkt am Hafen vorbeiläuft und gut von der Bevölkerung frequentiert wird, müssen wir auch schon weiterziehen, denn wir hätten nach dann 5 Tagen Segelabenteuer am Stück gerne wiedermal einen ganz ruhigen Tag. Und der Tag wird sehr ruhig – kaum auf dem Wasser, schon erwischt uns die Mittagsflaute passend zum Essen. Abdann halse ich von Brač zum Festland und zurück bei einem Knoten Fahrt und gebe nach 2,5 h auf, um den Rest bis zur ausgewählten Bucht zu motoren. Endlich angekommen, funktioniert das Ankern gar nicht, und die Bucht ist zu voll, dann schaffen wir es endlich glücklich in der nächsten Bucht zu ankern und jetzt könnte die Entspannung losgehen, wenn nicht… plötzlich drei bis vier Boote mit heiterem kroatischen Feiervolk beschließen, den Abend laut singend, gröllend Bengalofeuer zündelnd ihren Abend zu verbringen. Um 22:00 überlegen wir uns, ob es stressiger ist, zu bleiben oder im Dunkeln in die nächste Bucht zu ziehen. Markus testet sogar die wasserdichte Taschenlampe, um zu wissen, ob man den Anker sehen kann. Zum Glück hat die Gruppe um 23:00 genug gefeiert und bricht gen Makarska Stadt auf, um sich wahrscheinlich im sicheren Hafen den Rest zu geben. Freitagabend in Kroatien – jetzt hört man nur noch entfernten Discosound übers Wasser wabern. Und dann haben wir doch am nächsten Tag tatsächlich, trotz samstäglicher Angel- und Badegäste, in der Bucht einen wundervoll chillige Zeit mit netter Wanderung ins Fischerstädtchen Sumatin und eine weitere jetzt wohlig einsame Nacht in der Bucht.

19.07.2026 Aufbruch in die Marina Ramova nördlich von Makarska. Es stellt sich heraus, dass unsere Powerstation, die uns zwischendurch immer mal über die PV gespeist Strom für die Kühlung gegeben hat, nicht mehr lädt, weil der Adapter wohl defekt ist. Kein heißes Wasser, nicht kochen und jetzt auch noch keine Chance auf ein kühles Getränk – das Leben ist nun mal kein Ponyhof und diese Reise vor allem ein großer Schatz an Erfahrungen. Die fast schon zu erwartende Flaute gibt Gelegenheit zum Teppich ausklopfen und zumindest kommt dann doch noch schöner Wind auf, um auf direktem Wege zum Festland zu kommen. Die erste andere Marina seit Mali Lošinj, aber wir kommen gut in die Lücke bei praller Mittagshitze. So eine gut geschützte Marina ist gleichzeitig auch sehr viel wärmer. Aber wir haben jetzt wieder Strom und können Getränke kühlen.

20.07.2026 Neben der Verabredung mit Freunden, ist Makarska nun auch Ziel unserer immer länger werdenden Liste von Besorgungen geworden: ein Nauticladen für Segeltape, Gastlandfahnen von Montenegro und Albanien und nun auch ein Elektroladen für die Lösung unseres Stromproblems. Nach drei Stunden durch die Stadt gibt es immerhin ein Segeltape und eine weitere Powerbank für unsere elektronischen Geräte, was aber nicht für die Kühlbox reicht. Und jetzt wird es aufregend, denn wir haben zum ersten Mal Gäste für einen kleinen Törn an Bord. Es zeigt sich aufs Neue, wie unbeständig die Winde im Mittelmeer sind: 1bft maximal war gemeldet, ich entschuldige mich schon, dass der Törn sehr langwierig werden könnte und wir schlimmstenfalls motoren müssen und dann dreht der Wind plötzlich auf und lässt uns bei Halbwind schon auf 6 Knoten Fahrt kommen. Aber wir schaffen alle Gäste wieder gut in den Hafen von Makarska, können noch einen Kanister mit Diesel auftanken und weiter gen Süden nach Hvar aufbrechen. Was für den kurzen Gästetörn ganz schön rasant war, flaute leider bald wieder ab, aber wir kommen noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang in die sehr nette Bucht Uvala Mlăska an.

21.07.2026 Heute soll es theoretisch bis zur Nordwestspitze Poluotoks gehen. Gleichzeitig gibt es Gewitterwarnungen, die sich immer mehr verdichten. Als wir nur noch vielleicht 4 nm vorm Ziel entfernt sind, wird der Himmel so schnell dunkler, dass wir beschließen, eine geschützte Bucht im Süden von Hvar aufzusuchen. Der Anker hält, aber wir sind zu dicht am Ufer und ich schwimme mit einer Landleine los. Ein wahnsinniger Schwell ist in der Bucht und schaukelt uns fleißig. Zum Glück sind wir nicht im Kern des Unwetters, das nach den letzten schwülen Tagen hier herunterbrassselt. Es geht bis 5:00 früh so und ich habe Zeit, die letzten Tage hier Revue passieren zu lassen. Und morgens ist unser Boot wieder sauber und alles ist friedlich, wie immer.

Segeln ist alles: Entspannung, Aufregung, Funktionieren auf engstem Raum, klare Ansagen, immer Draußen sein, Sorge, Schrammen, der Sternenhimmel und Blitze wie ein Feuerwerk.

bEMBELkINDER Boat Life, Juli 2026 _ 1 – Die ersten 200 km

Segeln mit neuem Propeller – jetzt geht’s los!

02.07.2026: Unerwartet plötzlich Geräusche unterm Boot: der neue güldene Propeller ist da und wird an die konische Welle angepasst. Zwei Wochen Warten und dann ist das gute Stück in zehn Minuten von Meister Kemal angebracht! Jetzt geht alles unerwartet schnell: Noch fix den Wassertank auffüllen, das Deck schrubben, Duschen, den Auskrantermin für den nächsten Vormittag bestätigen, die letzten Einkäufe erledigen, die erste Etappe festlegen… . Wir fragen uns, ob wir das Segeln nach der langen Wartefrist nicht schon verlernt haben und sind in der Tat ein bisschen aufgeregt, nun wirklich aus der Trockenliegeplatz-Lethargie heraus direkt aufs Wasser geschmissen zu werden.

03.07.2026: Spontan wird das Auskranen von Markus von 11 Uhr auf 10 Uhr vorverlegt und es gibt kein Entkommen mehr. Der neue dreiflüglige Propeller lässt uns noch besser aus dem Hafen manövrieren und wir setzen die Segel gen Süden! Erst kommen wir gut voran und verabschieden uns nun endgültig von unserer „Heimatinsel“. Dann kommt die Flaute auf der Höhe von Ilovik … und plötzlich wie aus dem Nichts sehen wir die ersten Delfine einfach so an uns vorbeischwimmen – Wahnsinn! Vor Premuda – unserem angepeilten Ziel – frischt der Wind wieder auf und wir treffen haarscharf den schmalen Eingang zwischen den vorgelagerten Inseln an der Westseite. Die angepeilte Bucht erweist sich allerdings als Wespen-Hotspot und wir müssen uns spontan zur Weiterfahrt umentscheiden. Nächstes Ziel wird die gut geschützte Ankerbucht südseitlich von der Insel Ist, was sich als perfekte Wahl herausstellt. Gleich beim ersten Törn haben wir direkt 29 nm (eine nautische Meile entspricht 1,85 km) Strecke geschafft! Erschöpft werfen wir den Anker und bleiben gleich zwei Nächte, um auch noch einen kleinen Ausflug auf die Insel unternehmen zu können.

05.07.2026: Es geht wieder weiter! Ohne festes Ziel peilen wir die Strecke an der Ostseite der Insel Dugi Otok an. Plötzlich fällt Markus Schuh ins Wasser und wir haben eine gut Gelegenheit für das erste Mensch-über-Bord-Manöver: Schuh gerettet! Spontan entschließen wir uns, an einer alten Bunkeranlage kurz anzuhalten, weil es dort frisches Quellwasser vom Hahn geben soll! Der Wasservorrat ist in der Tat neben dem Diesel für den Motor das wichtigste Element an Bord. Natürlich besichtigen sehr viele Motorboote gleichzeitig mit unserer Ankunft den Tunnelbunker, aber wir schaffen ein gutes Ankermanöver und Markus fährt mit dem Dingi zum Auffüllen los. Tolles mineralhaltiges Wasser lohnt jedes Extramanöver! Schließlich wählen wir eine ruhige Stelle zwischen den Inseln Otok Veli Planatak und Otočić Mali Planatak zum Ankern für die Nacht. Weitere 13 nm liegen hinter uns.

06.07.2026: Diesmal haben wir uns als nächstes Ziel das Örtchen Zman an der ewig langen Insel Dugi Otok ausgewählt, um im dortigen Minimarkt zumindest die Chance auf ein Ankerbierchen zu haben. Wir haben unsere Essensvorräte zwar im tollen Lidl in Mali Lošinj ganz gut gefüllt, aber Frischware bei heißen Temperaturen bleibt bekanntlich nicht lange frisch! 12 nm ohne weitere Vorkommnisse.

07.07.2026: Unser nächstes Ziel ist die Insel Otok Žut mit einer kleinen Marina in einer geschützten Bucht. Die kommenden 11 nm machen großen Spaß, ich darf mehrmals Halsen (unser Ziel liegt genau in der Richtung, in die der Wind bläst) und ich schaffe es sogar Einhand mit den Halsen! Unser Ankermanöver ist dann etwa holprig, aber wir können uns schließlich recht cool zwischen zwei andere Boote in eine sehr idyllische Ecke der Bucht ziehen und zwei Landleinen am Ufer befestigen. Klar, hier bleiben wir auf jeden Fall zwei Nächte! Im teuren Marinaminimarkt erfahren wir, dass erst vor drei Wochen hiesiger Marinasteg eingebrochen ist und die Marina nun – bis auf den Bojenbetrieb und die sanitären Anlagen – schließen musste. Sonst wären hier in der Regel locker 70 Boote oder mehr, so sind es nur ein Drittel. Für uns eine recht glückliche Fügung, denn wir verbringen hier eine sehr ruhige, entspannte Zeit mit Grillenzirpen, Baden und einer frischen Dusche umsonst.

09.07.2026: Um unseren Vorrat etwas aufzufüllen, steuern wir ab Mittag die Insel Murter, die einen größeren Supermarkt haben soll, an. Neben uns hat sich inzwischen ein Päcken mit drei Motorbooten gequetscht – es wird also auch Zeit zur Weiterfahrt. Hui, 11 – 14 Knoten Wind, das ist schon was mit der kleinen AEGIS. Wir kommen auf 6 Knoten Fahrt und die Wellen schütteln uns gehörig! Aber das ist ja auch Segelspaß 😀. Unsere neue Bucht gehört zu einem Campingplatz und wir Ankern recht lässig trotz weiteren 11 Knoten Wind mittendrin mit nur 5 anderen Booten in angenehmem Abstand und der Anker hält wunderbar. Unsere neuste Erkenntnis: die App Windfinder ist aktuell viel genauer als die App Windy und sorgt nun – neben unserer Ankerruckdämpfung mittels Seilzwischenschaltung – für eine ruhige Nacht.

Für morgen brauchen wir aber unbedingt noch eine völlig einsame Bucht am liebsten, um uns nach inzwischen fast 200 km in einer Woche erst mal wieder zu entspannen 😉

Hier unsere bisherigen Routen zusammengefasst:



bEMBELkINDER Boat Life, Juni 2026

Von Mali Lošinj nach Ilovik …. und zurück

Im Juni sollte es nun endlich auf große Fahrt gen Süden gehen. Also noch das Auto zurück nach Deutschland mit dem überflüssigen Kram und letzte Bestellungen tätigen: neues Kartenmaterial, Rettungsweste, Handfunke … . Rückflug über Rijeka mit dem Bus dann weiter nach Mali Lošinj zur AEGIS 🙂

Alles ist startklar und wir können uns bald wieder einkranen lassen. Unser erstes Ziel: die südlich gelegene nächste Insel Ilovik. Wir starten aus N44°32,6 + E014°27,6 um 12:15 Uhr und sehen einer schönen Fahrt zunächst bei 2 bft W, später 3 bft NW entgegen. Kurs 150° bei schönem Halb- bis Raumwind. Bis Ilovik segeln wir 13nm und werfen den Anker in der Pazine Bucht N44°26,7 + E014°33,5 auf der Südseite der Insel gut geschützt bei 5 m Tiefe, auch wenn bei schwachem Wind erst mal keine Gefahr droht. Der Anker hat sich im Sand beim zweiten Versuch auch gut eingegraben und wir vertrauen der 3-fachen Ankerkettenlänge.

Wie aufregend: Die erste Nacht vor Anker in einer wunderschönen Bucht mit ca. 15 anderen Booten. Schwimmen direkt vom Boot aus bis an Land. Wir beschließen, eine weitere Nacht hier zu verbringen, um noch einen Ausflug in die kleine Hafenstadt zu unternehmen. Gesagt getan, am nächsten Vormittag geht es dann zum ersten Mal mit unserem Dingi per Ruder rüber an den Strand. Hintergedanke hierbei auch, den Ausflug mit einem Toilettengang zu verbinden, denn wir haben keinen Schwarzwassertank, was sich bei so vielen anderen Booten in der Bucht als neue Herausforderung erweist. Dass der Umgang mit Toilette, Dusche, Kaltgetränken, heißem Kaffee oder Tee und der Aufbewahrung frischer Lebensmittel ein gehöriges Umdenken aus alten Gewohnheiten erfordern, war zwar klar, aber in echt fühlt es sich noch einmal anders an. Aber eine sternenklare Nacht auf dem Wasser entschädigt für alle Unannehmlichkeiten.

Am Morgen des 19. Juni wollen wir trotz nur 1-2 bft weiter nach Premuda. Der Wind steht günstig. Es ist ruhige See und wir hätten den Anker einfach nur hochziehen und losfahren müssen. Doch dann kommt im Ablegemanöver die Idee, kurz rückwärts über den Anker zu fahren und ein ungewohntes Geräusch am Motor lässt mich direkt stoppen: Das Dingiseil hängt in der Schraube – welch ein doofer Anfängerfehler! Markus taucht und es ist noch schlimmer: Ein Propellerblatt ist abgerissen! Da der Anker ja schon lose ist, manövrieren wir erst mal raus aus der Bucht und recherchieren, dass die nächstgelegene Werft mit entsprechenden Mechanikern uns zurück nach Mali Lošinj führt. Nach drei gescheiterten Versuchen, bei den minimalen Windbedingungen voran zu kommen, müssen wir in den sauren Apfel beißen und mit nur einem Propellerblatt zurückmotoren. Gut im Ausgangshafen angekommen, beginnt die große Zeit der Geduldsprobe.

Das Auskranen kann erst am Montag erfolgen. Montag ist kroatischer Feiertag. Eine erste Einschätzung gibt Hoffung, dass ein neuer Propeller eventuell auf Krk angefertigt werden kann. Transport des defekten Propellers zur genauen Maßabnahme des konischen Gewindes erst Mittwoch. Donnerstagabend die Zusage, dass ein neuer Propeller angepasst werden und das insgesamt 7-10 Tage dauern kann. Glück im Unglück, denn laut Chat-GPT und einem Spezialgeschäft in Bremerhaven ist ein zweiflüglicher linksdrehender Propeller mit konischem Gewinde nicht mehr üblich. Zum Glück ist unser Landliegeplatz noch den ganzen Juni bezahlt! Am Dienstag, den 30. Juni wird klar, dass es doch Freitag werden kann – zwei Wochen nach dem Missgeschick – wir aber zusätzlich noch die Daumen drücken dürfen, dass bis dahin auch der Bootskran wieder funktioniert🙃

Boatlife auf dem Trockendeck: wir versuchen, die neu gewonnene Zeit in Mali Lošinj so gut wie möglich zu nutzen. Schwimmen gehen, Siesta in Hängematten unter Bäumen, Spaziergänge, Friseur – inzwischen kennen wir die Insel schon recht gut, wir kennen alle Einkaufsmöglichkeiten und fußläufigen Buchten. Markus erkennt das Polizeiboot nachts am Motorengeräusch und ich die Route des Fischschwarms in der nächstgelegenen Bucht.

Ich erneuere die zerlöcherte kroatische Gastflagge, verbessere die Ankerhalterung, putze das Schiff … und wir wagen es und klettern mit Mastleiter und Klettergurt auf den Mast!

Aber die Hoffung stirbt zuletzt: wir wollen jetzt umso mehr aufs Wasser, wir wollen neue Orte kennenlernen und segeln,segeln, segeln … bis nach Griechenland!

bEMBELKINDER Boat Life, Mai 2026

Segeln üben in Mali Loŝinj

Für die einen ist es ein extremes Abenteuer, für andere vielleicht sogar ganz normal: Ein Segelboot kaufen und damit auf dem Mittelmeer herumschippern! Für uns ist es auf jeden Fall eine sehr große Herausforderung!

Wir sind Markus und Sabine aus Frankfurt am Main und – bis auf den Main und, dass wir beide ganz gerne schwimmen – hatten wir vorab keine speziellen Erfahrungen mit dem Leben auf dem Wasser. Naja, ich bin selbst seit über zehn Jahren auf einem 20 Meter Flachbodenschiff mit 14 Menschen jedem Sommer im niederländischen Wattenmeer als 9-tägige Urlaubsreise unterwegs, was sehr wahrscheinlich dieses Vorhaben stark begünstigt und dafür gesorgt hat, dass wir zu Corona den Sportbootführerschein Binnen und im letzten Jahr auch noch den Sportbootführerschein See gemacht haben. Wer diese Führerscheine auch schon glücklich bestanden hat, weiß, dass es dringend Not tut, dann auch direkt aufs Boot zu gehen und Praxiserfahrungen zu machen, denn sonst sind sämtliche Regeln in den tiefsten Hirnwindungen begraben!

Die ersten Seemeilen im Isslmeer bei mir waren sofort 6 bft mit starker Kränkung und es war wunderbar! Auch ein Grundkurs auf einer 12 Meter Segelyacht bei Wind und Wetter haben mir gezeigt, dass das Segeln durchaus mein Ding sein könnte. Dass Markus mit an Bord sein würde, hatte ich eigentlich nicht zu träumen gewagt, aber schlussendlich war er es, der unser kleines Segelboot in den Verkaufsanzeigen gefunden hat.

Auch wenn die Vorzeichen den Weg zum Segelboot im Nachhinein betrachtet klar angedeutet haben, so hat sich der Prozess in 2025 doch ganz schön überschlagen: Traurige Abschiede in der Familie und im Freundeskreis haben die Endlichkeit dieses Erdendaseins in den Vordergrund gerückt. Eine Arbeit, die mehr abverlangt, als eine Person in 24 Stunden zu geben vermag und der Wunsch, einfach mal etwas ganz anderes zu machen: und schon war das halbjährige Sabbatical beantragt und der Termin mit dem Verkäufer ausgemacht!

Im Oktober 2025 habe ich mir allen Ernstes in Kroatien auf der Insel Mali Lošinj die AEGIS gekauft! Die alte Dame ist eine 8,8 Meter lange Segelyacht aus dem Jahre 1974: http://ohlson-88.de/ohlson88/ Ich bin nun die dritte Eignerin und dem Voreigner für seine Liebe zu diesem Boot und seine Großzügigkeit mir gegenüber wirklich dankbar, denn ein besseres und so gut gepflegtes gebrauchtes Einsteigerboot hätten wir nicht finden können! Ja, sie ist 52 Jahre alt und damit nur ein Jahr jünger als ich selbst, aber sie fährt noch sehr schnittig für ihr Alter! Aber, da ich ja auch in dieser vergangenen analogen Zeit herangewachsen bin, kann es nicht schaden, dieserart Schritt für Schritt ins Segeln hinein zu wachsen. Wir haben im Oktober innerhalb von 5 Tagen eine Probefahrt gemacht, das Boot gekauft, es winterfest gemacht: Motorspülung, der AEGIS eine Art Ganzkörperanzug – die Persenning – verpasst und jede Menge Details erklärt bekommen … dann ging es wieder zurück in den Alltag.

Kaum Zeit für eine gut geplante Vorbereitung, ganz nebenbei noch Versicherung, Internationaler Bootsschein und MMSI Nummer beantragt – die SKS-Praxisprüfung habe ich, dank Marcels Sportbootschule Steiner, bei einem Wochentörn in der Niederlande auch schon in der Tasche! Jetzt auf dem Boot habe ich hoffentlich genug Zeit, um für die Theorieprüfung zu lernen und alles auch gut zu verstehen!

Dann beginnt die große Zeit mit den ersten Maitagen: Wir laden unser Auto voll mit allem, was wir gebrauchen könnten und womit wir uns ein halbes Jahr zu Hause fühlen wollen und starten durch nach Umag in 10 Stunden. Hier wollen wir auf dem Weg noch die SRC-Funkprüfung ablegen – die AEGIS hat ein Funkgerät und der Eigner muss eben dafür einen Befähigungsnachweis vorweisen können! Trotz Batteriepanne am Auto kurz vor der Prüfung bestehen wir beide und können mit neuer Autobatterie am nächsten Tag durchs wunderschöne Istrien nach Mali Lošinj weiterfahren und noch am selben Abend ins Boot einziehen!

2026-05-09_Boot beheimaten_Sabine Imhof & Markus Böcher

An dieser Stelle gehört sich nun erst einmal ein wirklich riesengroßes Dankeschön an Otto, den Voreigner, der mir sein geliebtes Boot aus Altersgründen schweren Herzens überlassen hat und dann sogar noch im Mai vor Ort war, um dabei zu unterstützen, die AEGIS nach der Winterpause wieder startklar zu machen und uns noch einmal jede Menge unserer Fragen zu beantworten – ich hätte bestimmt Jahre gebraucht, um die Segel anzuschlagen und so waren wir bereits am Dienstag, den 12. Mai im Wasser!

Wer sich nun die Frage nach dem Unterwasserschiff und dem Antifouling stellt: Wir haben aufgrund der guten Pflege erst einmal darauf verzichtet und werden es dann in der nächsten Winterpause angehen. Wir wollten schnell ins Wasser, um zu Üben und so ist das Mittelmeer auch noch eine Saison von unseren giftigen Abrieben verschont.

Und jetzt hieß es: üben, üben, üben. Erste Tests nur mit Großsegel und nur mit Vorsegel, Drifteigenschaft, wie reagiert das Ruder mit der Pinne, wie möchte der Motor behandelt werden? Immer wieder ging es auf und ab an der Westseite von Mali Lošinj und jedes Mal wurde das Hafenmanöver „römisch- katholisch“ mit Einparken in die Bucht mit Mouring-Leinen besser. Auch den Umgang mit dem Dingi und dem Außenborder sowie das Ankern sollte man vor einer bevorstehenden Fahrt dringend üben – natürlich sind wir gleich auch schon beim zweiten Ankerversuch abgedriftet. Also immer MINDESTENS 3×Ankerlänge im Verhältnis zur Meerestiefe werfen!

Der Monat Mai ging dann doch recht erfolgreich mit einem guten Gefühl zu Ende und wir freuen uns, wenn unsere Fahrt gen Süden endlich beginnt – immer Richtung Dodekanes🙂

Ahoi