Posts in Category: Segel Sabatical

bEMBELkINDER Boat Life, Juli 2026 _ 2 – Die Mitteladria

SEGELN – Täglich neue Vorkommnisse

10.07.2026 Auf der Suche nach einer ruhigen einsamen Bucht werden wir am südlichen Ende von Murter fündig – so scheint es zunächst. Anfangs ist allerdings noch ziemlich unruhige See (aber wir schaffen es zu ankern). Ein heißer Kaffee wäre schön, doch unser Petroleumkocher beschließt, das Zeitliche zu segnen. Naja, Frappe schmeckt bei Hitze sowieso besser und Salate gehen immer. Später stellt sich die Bucht als sehr beliebter Schnorchel- und Sonnenuntergangsspot heraus. Die Nacht ist aber dann so ruhig, wie erhofft.

11.07.2026 Weiter geht es und wir sind erst noch glücklich, dass wir das um die Arbeitsleuchte gewickelt Großfall mit einer Hilfsleine befreien können und, dass die spektakuläre Wolkenformation „nur“ ein vorbeiziehendes Gewitter ist. Doch dann lernen wir die Winde kennen, die auch ein entferntes Unwetter erzeugen können: Wir kämpfen schwer, um im 2. Reff und kleiner Genua gegen den Wind anzukommen, ein kleiner Riss im Vorsegel, dann geben wir auf und motoren … der plötzlich langsamer läuft und Markus zum Glück blitzschnell erkennt, dass jetzt sofort Diesel nachgefüllt werden muss – alles immer noch im turbulenten Gegenwind. Aber alles geht gut und wir ankern in Kaprije in der Bucht mit dem müllig verlassenen Wohnwagen. Eine recht ruhige Bucht,dann kann man auch noch den Weg zum Einkauf ins Dörfchen wagen. Der geht allerdings recht ungemütlich am felsigen Meeresrand entlang, aber es gibt noch einen eingezeichnet Pfad, den wir auf dem Rückweg versuchen und der eher einer Dschungeltour gleicht. Der folgende Sonntag wird definitiv ein Ruhetag, bei dem wir das Boot nur zum Schwimmen verlassen!

13.07.2026 Wir haben mit Gafferband noch das Vorsegel geflickt und unsere Wunden geleckt. Die 4bft Halb- bis Raumwind reichen aber aus, um das nicht mehr ganz frische Gaffertape wieder zu lösen. Wir nehmen Fahrt auf ein größeres Städtchen an der Festlandküste, Primošten. So geschützt wie erhofft ist die Ankerbucht leider nicht, aber der Anker hält gut und wir lassen uns ein paar Stunden richtig durchschütteln, bevor wir unseren Landgang machen. Leider war das die falsche Stadt für den Nauticladen, aber die richtige für guten Wein, Ćevapčići und Internet in einer schönen Hafenkneipe und unser Rückweg im Dingi mit Stirnleuchte durch den Hafen, ganz großes Kino.

14.07.2026 Während wir am Tag zuvor 13nm in 3h geschafft haben, brauchen wir in die nächste Stadt Rogoznica drei Buchten weiter für 7,4 nm glatte 5h bei 2bft Südwind kreuzendem Am-Wind-Kurs und einer Mittagsflaute. Ankernd in einer zunächst einsam erscheinenden wunderbaren Bucht, waren wir plötzlich von Unterwasser-Selfie-schießenden Jugendlichen und weiteren Booten umringt, kaum das wir das Großsegel verstauen konnten. Wenngleich der Nauticladen hier nicht mit Segeltape aushelfen konnte, bot die hiesige 5 Sterne Marina freien Zugang zu Toilette, Dusche und Frischwasser und im Städtchen gab es wunderbar heißen Cappuccino und die weltbesten Ćevapčićisandwiches.

15.07.2026 Zunächst noch schön aus der Bucht von Rogoznica hinausgekreuzt, geraten wir leider erneut in eine saftige Mittagsflaute und müssen 1/2 h motoren. Wir erreichen schließlich die Insel Drenik Veli und brauchen 3 Ankeranläufe – nicht jeder Grund halt gleich gut. zu guter letzt überrascht uns das erste Gewitter vor Anker, aber alles hält gut.

16.07.2026 Supersegeltag, superanstrengend, aber richtig schön: 3-4 bft von N-NW bedeutet flotter Raumwindkurs mit Wellenreiten. Teilweise schaffen wir 7 Knoten! Nach 28 nm in 6,5h erreichen wir Pučišća auf der Insel Brač, ein nettes kleines Städtchen in gut geschützter Bucht, wo wir im Hafenbecken ankern können.

17.07.2026 Doch weil hier die Straße direkt am Hafen vorbeiläuft und gut von der Bevölkerung frequentiert wird, müssen wir auch schon weiterziehen, denn wir hätten nach dann 5 Tagen Segelabenteuer am Stück gerne wiedermal einen ganz ruhigen Tag. Und der Tag wird sehr ruhig – kaum auf dem Wasser, schon erwischt uns die Mittagsflaute passend zum Essen. Abdann halse ich von Brač zum Festland und zurück bei einem Knoten Fahrt und gebe nach 2,5 h auf, um den Rest bis zur ausgewählten Bucht zu motoren. Endlich angekommen, funktioniert das Ankern gar nicht, und die Bucht ist zu voll, dann schaffen wir es endlich glücklich in der nächsten Bucht zu ankern und jetzt könnte die Entspannung losgehen, wenn nicht… plötzlich drei bis vier Boote mit heiterem kroatischen Feiervolk beschließen, den Abend laut singend, gröllend Bengalofeuer zündelnd ihren Abend zu verbringen. Um 22:00 überlegen wir uns, ob es stressiger ist, zu bleiben oder im Dunkeln in die nächste Bucht zu ziehen. Markus testet sogar die wasserdichte Taschenlampe, um zu wissen, ob man den Anker sehen kann. Zum Glück hat die Gruppe um 23:00 genug gefeiert und bricht gen Makarska Stadt auf, um sich wahrscheinlich im sicheren Hafen den Rest zu geben. Freitagabend in Kroatien – jetzt hört man nur noch entfernten Discosound übers Wasser wabern. Und dann haben wir doch am nächsten Tag tatsächlich, trotz samstäglicher Angel- und Badegäste, in der Bucht einen wundervoll chillige Zeit mit netter Wanderung ins Fischerstädtchen Sumatin und eine weitere jetzt wohlig einsame Nacht in der Bucht.

19.07.2026 Aufbruch in die Marina Ramova nördlich von Makarska. Es stellt sich heraus, dass unsere Powerstation, die uns zwischendurch immer mal über die PV gespeist Strom für die Kühlung gegeben hat, nicht mehr lädt, weil der Adapter wohl defekt ist. Kein heißes Wasser, nicht kochen und jetzt auch noch keine Chance auf ein kühles Getränk – das Leben ist nun mal kein Ponyhof und diese Reise vor allem ein großer Schatz an Erfahrungen. Die fast schon zu erwartende Flaute gibt Gelegenheit zum Teppich ausklopfen und zumindest kommt dann doch noch schöner Wind auf, um auf direktem Wege zum Festland zu kommen. Die erste andere Marina seit Mali Lošinj, aber wir kommen gut in die Lücke bei praller Mittagshitze. So eine gut geschützte Marina ist gleichzeitig auch sehr viel wärmer. Aber wir haben jetzt wieder Strom und können Getränke kühlen.

20.07.2026 Neben der Verabredung mit Freunden, ist Makarska nun auch Ziel unserer immer länger werdenden Liste von Besorgungen geworden: ein Nauticladen für Segeltape, Gastlandfahnen von Montenegro und Albanien und nun auch ein Elektroladen für die Lösung unseres Stromproblems. Nach drei Stunden durch die Stadt gibt es immerhin ein Segeltape und eine weitere Powerbank für unsere elektronischen Geräte, was aber nicht für die Kühlbox reicht. Und jetzt wird es aufregend, denn wir haben zum ersten Mal Gäste für einen kleinen Törn an Bord. Es zeigt sich aufs Neue, wie unbeständig die Winde im Mittelmeer sind: 1bft maximal war gemeldet, ich entschuldige mich schon, dass der Törn sehr langwierig werden könnte und wir schlimmstenfalls motoren müssen und dann dreht der Wind plötzlich auf und lässt uns bei Halbwind schon auf 6 Knoten Fahrt kommen. Aber wir schaffen alle Gäste wieder gut in den Hafen von Makarska, können noch einen Kanister mit Diesel auftanken und weiter gen Süden nach Hvar aufbrechen. Was für den kurzen Gästetörn ganz schön rasant war, flaute leider bald wieder ab, aber wir kommen noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang in die sehr nette Bucht Uvala Mlăska an.

21.07.2026 Heute soll es theoretisch bis zur Nordwestspitze Poluotoks gehen. Gleichzeitig gibt es Gewitterwarnungen, die sich immer mehr verdichten. Als wir nur noch vielleicht 4 nm vorm Ziel entfernt sind, wird der Himmel so schnell dunkler, dass wir beschließen, eine geschützte Bucht im Süden von Hvar aufzusuchen. Der Anker hält, aber wir sind zu dicht am Ufer und ich schwimme mit einer Landleine los. Ein wahnsinniger Schwell ist in der Bucht und schaukelt uns fleißig. Zum Glück sind wir nicht im Kern des Unwetters, das nach den letzten schwülen Tagen hier herunterbrassselt. Es geht bis 5:00 früh so und ich habe Zeit, die letzten Tage hier Revue passieren zu lassen. Und morgens ist unser Boot wieder sauber und alles ist friedlich, wie immer.

Segeln ist alles: Entspannung, Aufregung, Funktionieren auf engstem Raum, klare Ansagen, immer Draußen sein, Sorge, Schrammen, der Sternenhimmel und Blitze wie ein Feuerwerk.

bEMBELkINDER Boat Life, Juli 2026 _ 1 – Die ersten 200 km

Segeln mit neuem Propeller – jetzt geht’s los!

02.07.2026: Unerwartet plötzlich Geräusche unterm Boot: der neue güldene Propeller ist da und wird an die konische Welle angepasst. Zwei Wochen Warten und dann ist das gute Stück in zehn Minuten von Meister Kemal angebracht! Jetzt geht alles unerwartet schnell: Noch fix den Wassertank auffüllen, das Deck schrubben, Duschen, den Auskrantermin für den nächsten Vormittag bestätigen, die letzten Einkäufe erledigen, die erste Etappe festlegen… . Wir fragen uns, ob wir das Segeln nach der langen Wartefrist nicht schon verlernt haben und sind in der Tat ein bisschen aufgeregt, nun wirklich aus der Trockenliegeplatz-Lethargie heraus direkt aufs Wasser geschmissen zu werden.

03.07.2026: Spontan wird das Auskranen von Markus von 11 Uhr auf 10 Uhr vorverlegt und es gibt kein Entkommen mehr. Der neue dreiflüglige Propeller lässt uns noch besser aus dem Hafen manövrieren und wir setzen die Segel gen Süden! Erst kommen wir gut voran und verabschieden uns nun endgültig von unserer „Heimatinsel“. Dann kommt die Flaute auf der Höhe von Ilovik … und plötzlich wie aus dem Nichts sehen wir die ersten Delfine einfach so an uns vorbeischwimmen – Wahnsinn! Vor Premuda – unserem angepeilten Ziel – frischt der Wind wieder auf und wir treffen haarscharf den schmalen Eingang zwischen den vorgelagerten Inseln an der Westseite. Die angepeilte Bucht erweist sich allerdings als Wespen-Hotspot und wir müssen uns spontan zur Weiterfahrt umentscheiden. Nächstes Ziel wird die gut geschützte Ankerbucht südseitlich von der Insel Ist, was sich als perfekte Wahl herausstellt. Gleich beim ersten Törn haben wir direkt 29 nm (eine nautische Meile entspricht 1,85 km) Strecke geschafft! Erschöpft werfen wir den Anker und bleiben gleich zwei Nächte, um auch noch einen kleinen Ausflug auf die Insel unternehmen zu können.

05.07.2026: Es geht wieder weiter! Ohne festes Ziel peilen wir die Strecke an der Ostseite der Insel Dugi Otok an. Plötzlich fällt Markus Schuh ins Wasser und wir haben eine gut Gelegenheit für das erste Mensch-über-Bord-Manöver: Schuh gerettet! Spontan entschließen wir uns, an einer alten Bunkeranlage kurz anzuhalten, weil es dort frisches Quellwasser vom Hahn geben soll! Der Wasservorrat ist in der Tat neben dem Diesel für den Motor das wichtigste Element an Bord. Natürlich besichtigen sehr viele Motorboote gleichzeitig mit unserer Ankunft den Tunnelbunker, aber wir schaffen ein gutes Ankermanöver und Markus fährt mit dem Dingi zum Auffüllen los. Tolles mineralhaltiges Wasser lohnt jedes Extramanöver! Schließlich wählen wir eine ruhige Stelle zwischen den Inseln Otok Veli Planatak und Otočić Mali Planatak zum Ankern für die Nacht. Weitere 13 nm liegen hinter uns.

06.07.2026: Diesmal haben wir uns als nächstes Ziel das Örtchen Zman an der ewig langen Insel Dugi Otok ausgewählt, um im dortigen Minimarkt zumindest die Chance auf ein Ankerbierchen zu haben. Wir haben unsere Essensvorräte zwar im tollen Lidl in Mali Lošinj ganz gut gefüllt, aber Frischware bei heißen Temperaturen bleibt bekanntlich nicht lange frisch! 12 nm ohne weitere Vorkommnisse.

07.07.2026: Unser nächstes Ziel ist die Insel Otok Žut mit einer kleinen Marina in einer geschützten Bucht. Die kommenden 11 nm machen großen Spaß, ich darf mehrmals Halsen (unser Ziel liegt genau in der Richtung, in die der Wind bläst) und ich schaffe es sogar Einhand mit den Halsen! Unser Ankermanöver ist dann etwa holprig, aber wir können uns schließlich recht cool zwischen zwei andere Boote in eine sehr idyllische Ecke der Bucht ziehen und zwei Landleinen am Ufer befestigen. Klar, hier bleiben wir auf jeden Fall zwei Nächte! Im teuren Marinaminimarkt erfahren wir, dass erst vor drei Wochen hiesiger Marinasteg eingebrochen ist und die Marina nun – bis auf den Bojenbetrieb und die sanitären Anlagen – schließen musste. Sonst wären hier in der Regel locker 70 Boote oder mehr, so sind es nur ein Drittel. Für uns eine recht glückliche Fügung, denn wir verbringen hier eine sehr ruhige, entspannte Zeit mit Grillenzirpen, Baden und einer frischen Dusche umsonst.

09.07.2026: Um unseren Vorrat etwas aufzufüllen, steuern wir ab Mittag die Insel Murter, die einen größeren Supermarkt haben soll, an. Neben uns hat sich inzwischen ein Päcken mit drei Motorbooten gequetscht – es wird also auch Zeit zur Weiterfahrt. Hui, 11 – 14 Knoten Wind, das ist schon was mit der kleinen AEGIS. Wir kommen auf 6 Knoten Fahrt und die Wellen schütteln uns gehörig! Aber das ist ja auch Segelspaß 😀. Unsere neue Bucht gehört zu einem Campingplatz und wir Ankern recht lässig trotz weiteren 11 Knoten Wind mittendrin mit nur 5 anderen Booten in angenehmem Abstand und der Anker hält wunderbar. Unsere neuste Erkenntnis: die App Windfinder ist aktuell viel genauer als die App Windy und sorgt nun – neben unserer Ankerruckdämpfung mittels Seilzwischenschaltung – für eine ruhige Nacht.

Für morgen brauchen wir aber unbedingt noch eine völlig einsame Bucht am liebsten, um uns nach inzwischen fast 200 km in einer Woche erst mal wieder zu entspannen 😉

Hier unsere bisherigen Routen zusammengefasst:



bEMBELkINDER Boat Life, Juni 2026

Von Mali Lošinj nach Ilovik …. und zurück

Im Juni sollte es nun endlich auf große Fahrt gen Süden gehen. Also noch das Auto zurück nach Deutschland mit dem überflüssigen Kram und letzte Bestellungen tätigen: neues Kartenmaterial, Rettungsweste, Handfunke … . Rückflug über Rijeka mit dem Bus dann weiter nach Mali Lošinj zur AEGIS 🙂

Alles ist startklar und wir können uns bald wieder einkranen lassen. Unser erstes Ziel: die südlich gelegene nächste Insel Ilovik. Wir starten aus N44°32,6 + E014°27,6 um 12:15 Uhr und sehen einer schönen Fahrt zunächst bei 2 bft W, später 3 bft NW entgegen. Kurs 150° bei schönem Halb- bis Raumwind. Bis Ilovik segeln wir 13nm und werfen den Anker in der Pazine Bucht N44°26,7 + E014°33,5 auf der Südseite der Insel gut geschützt bei 5 m Tiefe, auch wenn bei schwachem Wind erst mal keine Gefahr droht. Der Anker hat sich im Sand beim zweiten Versuch auch gut eingegraben und wir vertrauen der 3-fachen Ankerkettenlänge.

Wie aufregend: Die erste Nacht vor Anker in einer wunderschönen Bucht mit ca. 15 anderen Booten. Schwimmen direkt vom Boot aus bis an Land. Wir beschließen, eine weitere Nacht hier zu verbringen, um noch einen Ausflug in die kleine Hafenstadt zu unternehmen. Gesagt getan, am nächsten Vormittag geht es dann zum ersten Mal mit unserem Dingi per Ruder rüber an den Strand. Hintergedanke hierbei auch, den Ausflug mit einem Toilettengang zu verbinden, denn wir haben keinen Schwarzwassertank, was sich bei so vielen anderen Booten in der Bucht als neue Herausforderung erweist. Dass der Umgang mit Toilette, Dusche, Kaltgetränken, heißem Kaffee oder Tee und der Aufbewahrung frischer Lebensmittel ein gehöriges Umdenken aus alten Gewohnheiten erfordern, war zwar klar, aber in echt fühlt es sich noch einmal anders an. Aber eine sternenklare Nacht auf dem Wasser entschädigt für alle Unannehmlichkeiten.

Am Morgen des 19. Juni wollen wir trotz nur 1-2 bft weiter nach Premuda. Der Wind steht günstig. Es ist ruhige See und wir hätten den Anker einfach nur hochziehen und losfahren müssen. Doch dann kommt im Ablegemanöver die Idee, kurz rückwärts über den Anker zu fahren und ein ungewohntes Geräusch am Motor lässt mich direkt stoppen: Das Dingiseil hängt in der Schraube – welch ein doofer Anfängerfehler! Markus taucht und es ist noch schlimmer: Ein Propellerblatt ist abgerissen! Da der Anker ja schon lose ist, manövrieren wir erst mal raus aus der Bucht und recherchieren, dass die nächstgelegene Werft mit entsprechenden Mechanikern uns zurück nach Mali Lošinj führt. Nach drei gescheiterten Versuchen, bei den minimalen Windbedingungen voran zu kommen, müssen wir in den sauren Apfel beißen und mit nur einem Propellerblatt zurückmotoren. Gut im Ausgangshafen angekommen, beginnt die große Zeit der Geduldsprobe.

Das Auskranen kann erst am Montag erfolgen. Montag ist kroatischer Feiertag. Eine erste Einschätzung gibt Hoffung, dass ein neuer Propeller eventuell auf Krk angefertigt werden kann. Transport des defekten Propellers zur genauen Maßabnahme des konischen Gewindes erst Mittwoch. Donnerstagabend die Zusage, dass ein neuer Propeller angepasst werden und das insgesamt 7-10 Tage dauern kann. Glück im Unglück, denn laut Chat-GPT und einem Spezialgeschäft in Bremerhaven ist ein zweiflüglicher linksdrehender Propeller mit konischem Gewinde nicht mehr üblich. Zum Glück ist unser Landliegeplatz noch den ganzen Juni bezahlt! Am Dienstag, den 30. Juni wird klar, dass es doch Freitag werden kann – zwei Wochen nach dem Missgeschick – wir aber zusätzlich noch die Daumen drücken dürfen, dass bis dahin auch der Bootskran wieder funktioniert🙃

Boatlife auf dem Trockendeck: wir versuchen, die neu gewonnene Zeit in Mali Lošinj so gut wie möglich zu nutzen. Schwimmen gehen, Siesta in Hängematten unter Bäumen, Spaziergänge, Friseur – inzwischen kennen wir die Insel schon recht gut, wir kennen alle Einkaufsmöglichkeiten und fußläufigen Buchten. Markus erkennt das Polizeiboot nachts am Motorengeräusch und ich die Route des Fischschwarms in der nächstgelegenen Bucht.

Ich erneuere die zerlöcherte kroatische Gastflagge, verbessere die Ankerhalterung, putze das Schiff … und wir wagen es und klettern mit Mastleiter und Klettergurt auf den Mast!

Aber die Hoffung stirbt zuletzt: wir wollen jetzt umso mehr aufs Wasser, wir wollen neue Orte kennenlernen und segeln,segeln, segeln … bis nach Griechenland!

bEMBELKINDER Boat Life, Mai 2026

Segeln üben in Mali Loŝinj

Für die einen ist es ein extremes Abenteuer, für andere vielleicht sogar ganz normal: Ein Segelboot kaufen und damit auf dem Mittelmeer herumschippern! Für uns ist es auf jeden Fall eine sehr große Herausforderung!

Wir sind Markus und Sabine aus Frankfurt am Main und – bis auf den Main und, dass wir beide ganz gerne schwimmen – hatten wir vorab keine speziellen Erfahrungen mit dem Leben auf dem Wasser. Naja, ich bin selbst seit über zehn Jahren auf einem 20 Meter Flachbodenschiff mit 14 Menschen jedem Sommer im niederländischen Wattenmeer als 9-tägige Urlaubsreise unterwegs, was sehr wahrscheinlich dieses Vorhaben stark begünstigt und dafür gesorgt hat, dass wir zu Corona den Sportbootführerschein Binnen und im letzten Jahr auch noch den Sportbootführerschein See gemacht haben. Wer diese Führerscheine auch schon glücklich bestanden hat, weiß, dass es dringend Not tut, dann auch direkt aufs Boot zu gehen und Praxiserfahrungen zu machen, denn sonst sind sämtliche Regeln in den tiefsten Hirnwindungen begraben!

Die ersten Seemeilen im Isslmeer bei mir waren sofort 6 bft mit starker Kränkung und es war wunderbar! Auch ein Grundkurs auf einer 12 Meter Segelyacht bei Wind und Wetter haben mir gezeigt, dass das Segeln durchaus mein Ding sein könnte. Dass Markus mit an Bord sein würde, hatte ich eigentlich nicht zu träumen gewagt, aber schlussendlich war er es, der unser kleines Segelboot in den Verkaufsanzeigen gefunden hat.

Auch wenn die Vorzeichen den Weg zum Segelboot im Nachhinein betrachtet klar angedeutet haben, so hat sich der Prozess in 2025 doch ganz schön überschlagen: Traurige Abschiede in der Familie und im Freundeskreis haben die Endlichkeit dieses Erdendaseins in den Vordergrund gerückt. Eine Arbeit, die mehr abverlangt, als eine Person in 24 Stunden zu geben vermag und der Wunsch, einfach mal etwas ganz anderes zu machen: und schon war das halbjährige Sabbatical beantragt und der Termin mit dem Verkäufer ausgemacht!

Im Oktober 2025 habe ich mir allen Ernstes in Kroatien auf der Insel Mali Lošinj die AEGIS gekauft! Die alte Dame ist eine 8,8 Meter lange Segelyacht aus dem Jahre 1974: http://ohlson-88.de/ohlson88/ Ich bin nun die dritte Eignerin und dem Voreigner für seine Liebe zu diesem Boot und seine Großzügigkeit mir gegenüber wirklich dankbar, denn ein besseres und so gut gepflegtes gebrauchtes Einsteigerboot hätten wir nicht finden können! Ja, sie ist 52 Jahre alt und damit nur ein Jahr jünger als ich selbst, aber sie fährt noch sehr schnittig für ihr Alter! Aber, da ich ja auch in dieser vergangenen analogen Zeit herangewachsen bin, kann es nicht schaden, dieserart Schritt für Schritt ins Segeln hinein zu wachsen. Wir haben im Oktober innerhalb von 5 Tagen eine Probefahrt gemacht, das Boot gekauft, es winterfest gemacht: Motorspülung, der AEGIS eine Art Ganzkörperanzug – die Persenning – verpasst und jede Menge Details erklärt bekommen … dann ging es wieder zurück in den Alltag.

Kaum Zeit für eine gut geplante Vorbereitung, ganz nebenbei noch Versicherung, Internationaler Bootsschein und MMSI Nummer beantragt – die SKS-Praxisprüfung habe ich, dank Marcels Sportbootschule Steiner, bei einem Wochentörn in der Niederlande auch schon in der Tasche! Jetzt auf dem Boot habe ich hoffentlich genug Zeit, um für die Theorieprüfung zu lernen und alles auch gut zu verstehen!

Dann beginnt die große Zeit mit den ersten Maitagen: Wir laden unser Auto voll mit allem, was wir gebrauchen könnten und womit wir uns ein halbes Jahr zu Hause fühlen wollen und starten durch nach Umag in 10 Stunden. Hier wollen wir auf dem Weg noch die SRC-Funkprüfung ablegen – die AEGIS hat ein Funkgerät und der Eigner muss eben dafür einen Befähigungsnachweis vorweisen können! Trotz Batteriepanne am Auto kurz vor der Prüfung bestehen wir beide und können mit neuer Autobatterie am nächsten Tag durchs wunderschöne Istrien nach Mali Lošinj weiterfahren und noch am selben Abend ins Boot einziehen!

2026-05-09_Boot beheimaten_Sabine Imhof & Markus Böcher

An dieser Stelle gehört sich nun erst einmal ein wirklich riesengroßes Dankeschön an Otto, den Voreigner, der mir sein geliebtes Boot aus Altersgründen schweren Herzens überlassen hat und dann sogar noch im Mai vor Ort war, um dabei zu unterstützen, die AEGIS nach der Winterpause wieder startklar zu machen und uns noch einmal jede Menge unserer Fragen zu beantworten – ich hätte bestimmt Jahre gebraucht, um die Segel anzuschlagen und so waren wir bereits am Dienstag, den 12. Mai im Wasser!

Wer sich nun die Frage nach dem Unterwasserschiff und dem Antifouling stellt: Wir haben aufgrund der guten Pflege erst einmal darauf verzichtet und werden es dann in der nächsten Winterpause angehen. Wir wollten schnell ins Wasser, um zu Üben und so ist das Mittelmeer auch noch eine Saison von unseren giftigen Abrieben verschont.

Und jetzt hieß es: üben, üben, üben. Erste Tests nur mit Großsegel und nur mit Vorsegel, Drifteigenschaft, wie reagiert das Ruder mit der Pinne, wie möchte der Motor behandelt werden? Immer wieder ging es auf und ab an der Westseite von Mali Lošinj und jedes Mal wurde das Hafenmanöver „römisch- katholisch“ mit Einparken in die Bucht mit Mouring-Leinen besser. Auch den Umgang mit dem Dingi und dem Außenborder sowie das Ankern sollte man vor einer bevorstehenden Fahrt dringend üben – natürlich sind wir gleich auch schon beim zweiten Ankerversuch abgedriftet. Also immer MINDESTENS 3×Ankerlänge im Verhältnis zur Meerestiefe werfen!

Der Monat Mai ging dann doch recht erfolgreich mit einem guten Gefühl zu Ende und wir freuen uns, wenn unsere Fahrt gen Süden endlich beginnt – immer Richtung Dodekanes🙂

Ahoi