bEMBELkINDER Boat Life, Juli 2026 _ 2 – Die Mitteladria
SEGELN – Täglich neue Vorkommnisse
10.07.2026 Auf der Suche nach einer ruhigen einsamen Bucht werden wir am südlichen Ende von Murter fündig – so scheint es zunächst. Anfangs ist allerdings noch ziemlich unruhige See (aber wir schaffen es zu ankern). Ein heißer Kaffee wäre schön, doch unser Petroleumkocher beschließt, das Zeitliche zu segnen. Naja, Frappe schmeckt bei Hitze sowieso besser und Salate gehen immer. Später stellt sich die Bucht als sehr beliebter Schnorchel- und Sonnenuntergangsspot heraus. Die Nacht ist aber dann so ruhig, wie erhofft.



11.07.2026 Weiter geht es und wir sind erst noch glücklich, dass wir das um die Arbeitsleuchte gewickelt Großfall mit einer Hilfsleine befreien können und, dass die spektakuläre Wolkenformation „nur“ ein vorbeiziehendes Gewitter ist. Doch dann lernen wir die Winde kennen, die auch ein entferntes Unwetter erzeugen können: Wir kämpfen schwer, um im 2. Reff und kleiner Genua gegen den Wind anzukommen, ein kleiner Riss im Vorsegel, dann geben wir auf und motoren … der plötzlich langsamer läuft und Markus zum Glück blitzschnell erkennt, dass jetzt sofort Diesel nachgefüllt werden muss – alles immer noch im turbulenten Gegenwind. Aber alles geht gut und wir ankern in Kaprije in der Bucht mit dem müllig verlassenen Wohnwagen. Eine recht ruhige Bucht,dann kann man auch noch den Weg zum Einkauf ins Dörfchen wagen. Der geht allerdings recht ungemütlich am felsigen Meeresrand entlang, aber es gibt noch einen eingezeichnet Pfad, den wir auf dem Rückweg versuchen und der eher einer Dschungeltour gleicht. Der folgende Sonntag wird definitiv ein Ruhetag, bei dem wir das Boot nur zum Schwimmen verlassen!




13.07.2026 Wir haben mit Gafferband noch das Vorsegel geflickt und unsere Wunden geleckt. Die 4bft Halb- bis Raumwind reichen aber aus, um das nicht mehr ganz frische Gaffertape wieder zu lösen. Wir nehmen Fahrt auf ein größeres Städtchen an der Festlandküste, Primošten. So geschützt wie erhofft ist die Ankerbucht leider nicht, aber der Anker hält gut und wir lassen uns ein paar Stunden richtig durchschütteln, bevor wir unseren Landgang machen. Leider war das die falsche Stadt für den Nauticladen, aber die richtige für guten Wein, Ćevapčići und Internet in einer schönen Hafenkneipe und unser Rückweg im Dingi mit Stirnleuchte durch den Hafen, ganz großes Kino.




14.07.2026 Während wir am Tag zuvor 13nm in 3h geschafft haben, brauchen wir in die nächste Stadt Rogoznica drei Buchten weiter für 7,4 nm glatte 5h bei 2bft Südwind kreuzendem Am-Wind-Kurs und einer Mittagsflaute. Ankernd in einer zunächst einsam erscheinenden wunderbaren Bucht, waren wir plötzlich von Unterwasser-Selfie-schießenden Jugendlichen und weiteren Booten umringt, kaum das wir das Großsegel verstauen konnten. Wenngleich der Nauticladen hier nicht mit Segeltape aushelfen konnte, bot die hiesige 5 Sterne Marina freien Zugang zu Toilette, Dusche und Frischwasser und im Städtchen gab es wunderbar heißen Cappuccino und die weltbesten Ćevapčićisandwiches.




15.07.2026 Zunächst noch schön aus der Bucht von Rogoznica hinausgekreuzt, geraten wir leider erneut in eine saftige Mittagsflaute und müssen 1/2 h motoren. Wir erreichen schließlich die Insel Drenik Veli und brauchen 3 Ankeranläufe – nicht jeder Grund halt gleich gut. zu guter letzt überrascht uns das erste Gewitter vor Anker, aber alles hält gut.


16.07.2026 Supersegeltag, superanstrengend, aber richtig schön: 3-4 bft von N-NW bedeutet flotter Raumwindkurs mit Wellenreiten. Teilweise schaffen wir 7 Knoten! Nach 28 nm in 6,5h erreichen wir Pučišća auf der Insel Brač, ein nettes kleines Städtchen in gut geschützter Bucht, wo wir im Hafenbecken ankern können.





17.07.2026 Doch weil hier die Straße direkt am Hafen vorbeiläuft und gut von der Bevölkerung frequentiert wird, müssen wir auch schon weiterziehen, denn wir hätten nach dann 5 Tagen Segelabenteuer am Stück gerne wiedermal einen ganz ruhigen Tag. Und der Tag wird sehr ruhig – kaum auf dem Wasser, schon erwischt uns die Mittagsflaute passend zum Essen. Abdann halse ich von Brač zum Festland und zurück bei einem Knoten Fahrt und gebe nach 2,5 h auf, um den Rest bis zur ausgewählten Bucht zu motoren. Endlich angekommen, funktioniert das Ankern gar nicht, und die Bucht ist zu voll, dann schaffen wir es endlich glücklich in der nächsten Bucht zu ankern und jetzt könnte die Entspannung losgehen, wenn nicht… plötzlich drei bis vier Boote mit heiterem kroatischen Feiervolk beschließen, den Abend laut singend, gröllend Bengalofeuer zündelnd ihren Abend zu verbringen. Um 22:00 überlegen wir uns, ob es stressiger ist, zu bleiben oder im Dunkeln in die nächste Bucht zu ziehen. Markus testet sogar die wasserdichte Taschenlampe, um zu wissen, ob man den Anker sehen kann. Zum Glück hat die Gruppe um 23:00 genug gefeiert und bricht gen Makarska Stadt auf, um sich wahrscheinlich im sicheren Hafen den Rest zu geben. Freitagabend in Kroatien – jetzt hört man nur noch entfernten Discosound übers Wasser wabern. Und dann haben wir doch am nächsten Tag tatsächlich, trotz samstäglicher Angel- und Badegäste, in der Bucht einen wundervoll chillige Zeit mit netter Wanderung ins Fischerstädtchen Sumatin und eine weitere jetzt wohlig einsame Nacht in der Bucht.




19.07.2026 Aufbruch in die Marina Ramova nördlich von Makarska. Es stellt sich heraus, dass unsere Powerstation, die uns zwischendurch immer mal über die PV gespeist Strom für die Kühlung gegeben hat, nicht mehr lädt, weil der Adapter wohl defekt ist. Kein heißes Wasser, nicht kochen und jetzt auch noch keine Chance auf ein kühles Getränk – das Leben ist nun mal kein Ponyhof und diese Reise vor allem ein großer Schatz an Erfahrungen. Die fast schon zu erwartende Flaute gibt Gelegenheit zum Teppich ausklopfen und zumindest kommt dann doch noch schöner Wind auf, um auf direktem Wege zum Festland zu kommen. Die erste andere Marina seit Mali Lošinj, aber wir kommen gut in die Lücke bei praller Mittagshitze. So eine gut geschützte Marina ist gleichzeitig auch sehr viel wärmer. Aber wir haben jetzt wieder Strom und können Getränke kühlen.



20.07.2026 Neben der Verabredung mit Freunden, ist Makarska nun auch Ziel unserer immer länger werdenden Liste von Besorgungen geworden: ein Nauticladen für Segeltape, Gastlandfahnen von Montenegro und Albanien und nun auch ein Elektroladen für die Lösung unseres Stromproblems. Nach drei Stunden durch die Stadt gibt es immerhin ein Segeltape und eine weitere Powerbank für unsere elektronischen Geräte, was aber nicht für die Kühlbox reicht. Und jetzt wird es aufregend, denn wir haben zum ersten Mal Gäste für einen kleinen Törn an Bord. Es zeigt sich aufs Neue, wie unbeständig die Winde im Mittelmeer sind: 1bft maximal war gemeldet, ich entschuldige mich schon, dass der Törn sehr langwierig werden könnte und wir schlimmstenfalls motoren müssen und dann dreht der Wind plötzlich auf und lässt uns bei Halbwind schon auf 6 Knoten Fahrt kommen. Aber wir schaffen alle Gäste wieder gut in den Hafen von Makarska, können noch einen Kanister mit Diesel auftanken und weiter gen Süden nach Hvar aufbrechen. Was für den kurzen Gästetörn ganz schön rasant war, flaute leider bald wieder ab, aber wir kommen noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang in die sehr nette Bucht Uvala Mlăska an.



21.07.2026 Heute soll es theoretisch bis zur Nordwestspitze Poluotoks gehen. Gleichzeitig gibt es Gewitterwarnungen, die sich immer mehr verdichten. Als wir nur noch vielleicht 4 nm vorm Ziel entfernt sind, wird der Himmel so schnell dunkler, dass wir beschließen, eine geschützte Bucht im Süden von Hvar aufzusuchen. Der Anker hält, aber wir sind zu dicht am Ufer und ich schwimme mit einer Landleine los. Ein wahnsinniger Schwell ist in der Bucht und schaukelt uns fleißig. Zum Glück sind wir nicht im Kern des Unwetters, das nach den letzten schwülen Tagen hier herunterbrassselt. Es geht bis 5:00 früh so und ich habe Zeit, die letzten Tage hier Revue passieren zu lassen. Und morgens ist unser Boot wieder sauber und alles ist friedlich, wie immer.



Segeln ist alles: Entspannung, Aufregung, Funktionieren auf engstem Raum, klare Ansagen, immer Draußen sein, Sorge, Schrammen, der Sternenhimmel und Blitze wie ein Feuerwerk.
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