bEMBELkINDER Boat Life, Juli 2026 _ 3 – Südkroatien und Montenegro

Grenzen überschreiten – Segeln heißt an Grenzen kommen

Es beginnt tatsächlich allmählich die Zeit, dass man von routiniertem Segeln sprechen kann und wir uns zum richtigen Segeltrimm Gedanken machen, anstatt einfach nur die Segel zu hissen. Die folgende Strecke bis Ende Juli führt durch Südkroatien und Montenegro, wir gönnen uns kaum einem Tag Segelpause und durchleben so einige Stressmomente, die ziemlich an den Nerven zerren. Aber trotzalledem – je ne regrette rien!

22.07.2026 Nach der heftige Gewitternacht erwachen wir mit den typischen Touribadebooten in der Bucht, als ob nichts gewesen wäre. Anker und Landleine haben uns sicher gehalten. Zunächst bei schwachem Wind gestartet, können wir dann doch mit einem ordentlichen Am-Wind-Kurs zwischen den Inseln Hvar und Poluotok in fünf Schlägen bis zur Spitze Poluotoks düsen, um schließlich in rasanter Fahrt nach Lovište in die geschützte Bucht einzulaufen und glücklich ein altes Bojenseil zu ankern, was uns sehr gut hält. Ein Landspaziergang mit Einkauf, Trinkwasser und einem guten Essen belohnen die durchgestandene letzte Nacht und das Dorffest beschallt uns zum Schlafen mit Schlagern.

23.07.2026 Wir starten ganz gemütlich nach dem Schwimmen und Mittagessen auf 15:00 und bekommen den Anker zum Glück gut vom Bojenseil los. Heute steht der Pelješki Kanal auf dem Programm. Hier wird per Funk auf Kanal 16 als Securite bereits über einem Surferwettbewerb informiert. In großen Schlägen geht es quer durch den Kanal und schließlich auch mitten durch die Windsurfer. Eine geeignete Bucht finden wir direkt am östlichen Strandhafen. Das Restaurant gegenüber hat keinen Tisch frei, aber die Abende an Deck mit einem Ankerbierchen sind sowieso die schönsten.

24.07.2026 Ein etwas holpriger Start wirft die Vorzeichen auf einen turbulenten Tag voraus. Es ist doch ganz schöner Seegang, der uns entgegenkommt. Die Ankerkette ist noch nicht ganz im Kasten; wir beschließen, das Großsegel nur im 2. Reff rauszulassen; Markus muss sich gut festhalten; der Anker rutscht auf Grund des harten Wellenschlags auf den Bug plötzlich wieder ein Stück ins Wasser; Markus ist aber noch nicht mit dem Großsegel fertig; irgendwann ist alles zum Glück wieder im Lot und Markus sicher in der Plicht zurück – im Nachhinein ist uns sehr wohl klar, dass bei diesem Wellenschlag dringend die Rettungswesten nötig gewesen wären (jetzt lese ich das Buch „Yachtunfälle und wie man sie vermeiden kann“ mit nützlichen Tipps!). Und schließlich fährt es sich mit beide gerefften Segeln und ohne Motor trotz Welle etwas ruhiger😉 Eine neue Lektion im weiteren Tagesverlauf ist das Segeln mit heftigen Böen. Es zerrt zeitweise ganz schön am Ruder und lässt uns zwischendurch im Flautenloch verhungern, als wir durch den Mljetski Kanal müssen. Am 0stende der Halbinsel Polutok/Pelješac erwartet uns aber eine recht schöne Bucht, bei der wir allerdings beim Ankern auf eine riesige Steinplatte achten müssen, die dem Strand vorgelagert ist.

25.07. – 28.07.2026 Wir haben beschlossen, auf die Insel Lopud zu Segeln, von der aus wir am übernächsten Tag (Montag) eine Fähre nach Dubrovnik nehmen wollen. Wir brauchen noch Fahnen von Montenegro und Albanien und wollen die Elektroläden nach möglichen Ersatzteilen für den defekten Adapter abklappern – wir können unter aktuellen Strombedingungen die Kühlbox nicht mehr laden. Das Segeln im kreuzenden Raumwind macht Freude und bringt uns in die für die nächsten beiden Tage windgeschützte Bucht bei Lopud City, denn es soll nachts stürmischer werden. Erfolgreich im Wind geankert, begeben wir uns mit dem Dingi auf Landerkundung, bedenken die Brandung am Ufer nicht … und werden beim Aussteigeversuch nass bis auf die Knochen. Aber nette Menschen helfen, wir trocknen und fahren wieder zurück. Unser Plan war nun, am nächsten Tag an einer Restaurent-Boje festzumachen, die diese für eine Mahlzeit zur Verfügung stellen, doch als wir das Anlegemanöver erfolgreich hinter uns gebracht hatten, kam der Hafenmarinero und informiert uns, dass alle Bojen bereits vorreserviert sind an diesem Sonntag und wir leider wieder ankern müssten. Naja, ein Übungsmanöver schadet nie, das teure Essen bleibt erspart und wir genießen trotzdem Leckereien an der Promenade! Montag früh um kurz vor 7:00 startet unser Fähre nach Dubrovnik, wo wir insgesamt 5h mit dem Durchwandern von Neustadt und Altstadt verbringen. Im Unesco Welterbe sind definitiv auch schon vormittags zu viele Menschen unterwegs, auch wenn wir froh sind, dagewesen zu sein.

28.07.2026 Heute können wir nun mit den richtigen Fahnen gewappnet Fahrt auf den Ausklarierunshafen Cavtat nehmen. Nur 2 bft Windstärke bringt uns durch langwieriges Halsen schließlich um 19:00 in den Hafen. Nach einigen Schwierigkeiten, einen guten Ankerplatz zu finden, zeigt der Landgang uns eine viel zu volle Touristen überlaufene Promenade statt eines erhofften beschaulichen Fischerdörfchens – mit frischem Wasser und Ankerbierchen machen wir uns also schnell wieder zurück an Deck. Weil wir unserem Anker diesmal nicht ganz trauen und die Nacht angenehm lau ist, schlafen wir an Deck. Leider finden Jugendliche an der Promenade unseren ruhigen Platz auch ganz toll und verweilen dort ein Weilchen.

29.07.2026 Um direkt um 8:30 beim Hafenmeister zu sein, wollen wir früh wach werden, allerdings nicht so früh, wie der Straßenreiniger mit Laubpuster seinen Dienst beginnt! Glücklich den richtigen Eingang zur Hafenmeisterei gefunden, geht dieser Vorgang auch recht fix. Nun noch zur Zollpolizei. Leider müssen wir dazu mit dem Boot noch am Q-Dock anlegen, wie uns die nette Polizistin auf der Straße informiert. Also geschwindt zurück ins Boot, alles klar zur Abfahrt machen und einmal rüber zum Anlegen bugseits ohne Mooringleinen anlegen. Markus hält die AEGIS zwischen den Superyachten möglichst Parallel, während ich die Polizeiwache zum Ausklarieren im Hintereingang eines Restaurants finde und der Polizist sich nicht einmal für unser Boot am Q-Dock interessiert, aber durchaus nett ist. Jetzt müssen wir durchfahren ohne Stopp oder gar Landgang bis zum nächsten Einklarierungshafen in Montenegro. Für kleine Schiffe, wie unsere AEGIS sind 27nm bei wenig Wind eine Herausforderung. Wir motoren bestimmt 22nm die Küste entlang, bis wir in die große fjordähnliche Bucht Hercegnovski Zaljev mit Kurs auf Zelenika einbiegen und die letzten Meter – empfangen von massenweise kreuzenden Motorbooten – noch ein bisschen Segeln können. Gleich beim Passieren der Grenze wird die montenegrinische Gastflagge gehisst. Das Anlegen am schlecht geschützten Q-Dock bei stärkerem Wind klappt leidig, aber ohne Schrammen fürs Boot. Hier in Montenegro hat die Grenzpolizei zumindest einen guten Standort und das Hafenbüro ein stattliches Steinhaus. Mit neuer Vignette ausgestattet, aber ohne Internet, weil die falsche E-Sim und noch keine Prepaid Karte bekommen, versuchen wir einen geeigneten Yachthafen weiter westlich zu finden und ergattern noch einem Liegeplatz in Herceg Novis Stadthafen – zwar mit Strom und Wasser, aber ohne Duschen und Toiletten und sehr, sehr, sehr, laut – Musikbeschallung mit Infrabass bis bestimmt 3:00 nachts!

30.07.2026 Dieselkanister aufgefüllt und noch schnell ein Bad mit kalter Stranddusche und nichts wie weg auf der Suche nach ruhigeren Orten. Zwei unruhige Nächte liegen schon hinter uns. zunächst noch Flaute, treibt uns ein schöner raumer Wind mit bestimmt 3bft Windstärke gen Budva. Die geplante geschützte Bucht bietet leider erneut eine Infrabass Geräuschkulisse, also nutzen wir den tollen Wind und segeln weiter. Auf der Ostseite der Budvabucht ankern wir unter wilden Bedingung in der bei Navily als einzig wilde Bucht beschriebene Stelle, mit der Gewissheit, dass der Wind in der Nacht quasi Zero ist. Das stimmt auch, doch schüttelt uns ein ordentlicher Schwell aus Westen die ganze Nacht durch – die dritte Nacht in Folge kaum an Schlaf zu denken.

31.07.2026 Heute soll es weitergehen nach Bar zum Ausklarieren. Geplant ist, weil die Strecke zum ersten Hafen viel zu weit ist und das Hafenamt am Wochenende wohl nicht geöffnet hat, hier am Nachmittag auszuklarieren und im montenegrinischen Gewässer noch einmal zu ankern. Schwüle Hitze empfängt uns am Q-Dock in Bar. Schweißgebadet stehen wir im Hafenbüro, als die Meisterin endlich aus der Mittagspause kommt. Aber unser Plan geht nicht ganz auf. Die freundliche Dame gibt uns zwar den Stempel für den nächsten Tag, aber wir müssen am nächsten Morgen in Bar bei der Grenzkontrolle noch unseren Stempel holen, weil wir definitiv nicht stoppen dürfen und auch keine Nachtfahrt wagen. Zum Glück ist die Dame an der Rezeption des Yachthafens nebenan so unfassbar hilfsbereit und wir dürfen hier die Nacht verbringen, wenn wir bis 8:00 am Morgen wieder weg sind. Das war ja sowieso der Plan, um den Einklarierungshafen in Albanien überhaupt erreichen zu können. Jetzt haben wir doch eine relativ ruhige Nacht vor uns – zwar mit freitäglicher Livemusik aus der Strandpromenade (nur freitags kann es in Bar etwas lauter werden, meinte die Rezeptionistin noch scherzhaft) – aber mit Strom und Kaltgetränken, die uns bis Albanien bringen sollen.

Alles hier ist und bleibt eine Grenzerfahrung. Jeder Moment will neu entschieden werden. So vieles passiert zum ersten Mal und ist beim nächsten Mal wieder anders. Egal, wie grenzgängig manche Momente bisher vielleicht waren, dieses rassante Leben, wo kein Tag dem anderen gleicht und jeder Moment eine Überraschung bereit hält, während man gleichzeitig die meiste Zeit entspannt aufs weite Meer schaut, fühlt sich gut an!

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