bEMBELkINDER Boat Life, August 2026 _ 1 – Albanien

Achttägiges Nonstopp-Albanien-Abenteuer

01.08.2026 Morgens sieben Uhr in Montenegro: Die Crew macht das Schiff klar und die Leinen los, um souverän aus dem Yachthafen herauszumanövrieren und an den Q-Dock wieder anzulegen und verlässt abgestempelt und mit einem Shot heißen Cappuccino im Bauch das Land auf direktem Seeweg der 39 nm Strecke entgegen. Spiegelglatte See begrüßen das motorende Segelboot, das südliche Montenegro ein reizender Anblick, die interessant aussehende Stadt Ulcinj muss ohne Besichtigung passiert werden. Und dann kommt endlich der Wind und bläst uns hinaus auf die weite See! Mit 5 Knoten Fahrt ( das entspricht fast 10km/h) schiebt uns der Raumwind unter Kreuzkurs der albanischen Grenze entgegen, die erste lagunenartige flache Bucht wird so umschifft – nur der Klang von waberndem Infrabass lässt uns nicht allein. Bei Grenzübertritt wird vorsorglich sowohl die Gastlandflagge als auch die um Aufnahme bittende gelbe Q-Flagge gehisst. Die Begrüßung im Einklarierungshafen Shëngjin ist von Anfang an wild. Extrem ablandige heißen Winde begrüßen uns plötzlich und die Notwendigkeit von blitzschnellem Reagieren beim Segeln wird erneut sehr deutlich. Der Hafenmeister funkt plötzlich auf Kanal 16, der Wind pfeift über die Bucht, die Ankerstelle ist unklar und wir haben gerade kein Netz, um den Agenten für das Einklanieren zu kontaktieren, den man hierfür wirklich einschalten sollte! Vielleicht etwas nah an einer Jetski-Absperrboje, so doch gefühlt sicher im Sand der städtischen Strandbucht und nah genug am Treffpunkt geankert, verlässt die Crew die AEGIS mit dem Dingi, um den Agenten Orion in der Strandbar zu treffen. Die Stimmung ist locker, unterstützt durch Ankerbierchen und Schattenplatz; die Unterlagen sind vorbereitet und schnell vom Captain unterschrieben; die Crew chilled, während der Agent die Formalitäten beim Zoll und Hafenamt erledigt. Leider bekommen wir die abgestempelten Papiere erst am nächsten Morgen. Doch das Boot steht angeblich gut und wir können uns schon frei zum Einkaufen bewegen. Zurück am Strandbarsteg spricht uns einer der Jetski-Verleiher an, dass wir zu dicht an seiner Absperrboje liegen und diese berührt hätten. Wir versichern, dass wir sofort umankern, es wird ja schon dunkel! Mitten im Prozess steht der Mann auf seinem Jetzki neben uns und tippt aufgeregt in sein Übersetzungsprogramm auf dem Handy. Wir hätten etwas gekappt. Zu diesem Zeitpunkt ist der Anker schon fast oben, doch sein Bojenseil hängt unter Spannung – also noch sehr fest verankert – an unserem Anker. Der Albaner tippt weiter, Markus springt ins Wasser, befreit den Anker und jetzt driften wir natürlich – gegen ein kleineres Fischerboot, weil wir mit dem Albaner im Gepäck, Markus im Wasser und ich im Bug am Anker nicht schnell genug von der Stelle wegmotoren können! Ich rufe leider viel zu laut, weil überfordert, FUCK OFF, was für den albanischen Patriarchen zu FUCK YOU mutiert und diese Beleidigung seiner selbst nun in den Fokus rückt. Markus kann noch relativ schlichten und weitere Gespräche auf den nächsten Morgen schieben. Erneut im Dunkeln geankert, hoffen wir auf Abendruhe. Doch plötzlich sehe ich eines der beiden Fischerboote, die mir zuvor als Ankerpeilung gedient hatten, an falscher Stelle: es driftet auf ein anderes Segelboot zu und dann Richtung offenes Meer. Wir werden mit unserem Dingimotor das Boot nicht schnell genug erreichen, zumal wir ihn ja noch nicht wirklich benutzt hatten. Wir informieren den Agenten Orion. Nach kurzer Zeit wird das Boot zum Glück mit einem Jetzkyi zurück geholt. Auch der nette Engländer vom Nachbarboot kommt vorbei, der von Orion informiert wurde. Und wir sind gezwungen, uns mit dem Dingi auseinanderzusetzen, weil es in der Hektik nicht ansprang.

02.08.2026 Morgens neun Uhr in Albanien: Agent Orion überreicht uns die Papiere und wir können frei die Küste Albaniens bereisen. Trotzdem bleibt meine Beleidigung für den im weiteren Job im Hafenamt beschäftigten Mann bestehen, denn er nimmt meine mehrfach beteuerte Entschuldigung nicht an. Nur weg hier. Nach der halben geplanten Strecke ist Flaute angesagt, die wir zur Erholung nutzen. Dann geht es zum Ankern an ein ruhiges Kap mit Fischzucht und kleinem Strand. Hier wird uns langsam klar, dass auch der Dingimotor nicht reibungslos funktioniert, sondern entweder der Schalter ausgeleihert ist oder die Zündkerze nicht mehr so frisch zu sein scheint. Aber es gibt 1x selbstgemachte Pommes an der Strandbar!

03.08.2026 Wir wollen es hinter den großen Hafen von Durrës schaffen. Zunächst noch guter Wind müssen wir aber schon hinterm Kap von Durrës motoren, um durch die riesigen ankernden Frachtschiffe hindurch zu manövrieren. Wir ankern im Sonnenuntergang neben einem unfertigen kleinen Hafen und bleiben über Nacht mit einigem Schwell das einzige Schiff.

04.08.2026 Zwischenstopp am Strandörtchen Spille ist geplant – es soll eine Tankstelle nahebei geben und wir brauchen Lebensmittel. Der Strand geht an diesem Küstenabschnitt sehr flach ins Wasser und wir lernen mit Hilfe der Jetzki-Wasserpolizei, wie weit draußen wir noch ankern können. Die Tankstelle ist einige schweißtreibende Kilometer entfernt. So sehen wir auch mal was vom Hinterland Albaniens! Völlig geschafft, aber die AEGIS sicher im Wasser verankert erspähend, gönnen wir uns frischen Fisch an einer Strandbar – sehr gute Garnelen waren das! Gestärkt geht es weiter. Zwar bringt ein passabeler Halbwind uns ein gutes Stück voran, doch es ist noch eine größere Entfernung bis zum nächstmöglichen Ankerplatz, als dass wir es vor Sonnenuntergang – es ist in diesen Breitengraden schon ab 20:30 dunkel – segelnd schaffen können. Wir starten den Motor um 18:30, umrunden das untere Kap und motoren mit voller Nachtbeleuchtung in zunehmender Dämmerung bei bereits verschwundener Sonne auf unseren Ankerplatz zu, als Markus im Ausguck ein unbeleuchtetes Fischerboot erspäht und ich bei gedrosselter Fahrt gleichzeitig einen Ruck verspüre – eine Sandbank aufgrund der Flussmündung an Land! Schnelles beherztes Handeln von Markus und wir sind zum Glück nicht aufgelaufen. Vorsichtig nehmen wir Abstand vom Fischer und ankern.

05.08.2026 Am Morgen werden wir begrüßt von der Jetzki-Wasserpolizei, die uns kontrolliert und auf die Flachstellen aufmerksam macht, die bereits anderen Seglern zum Verhängnis wurden. Das Kartenmaterial ist da in der Tat sehr ungenau, die Sandbänke verschieben sich durch die Strömung der Flussmündung und wir haben kein funktionierendes Echolot zur Tiefenmessung – es hat einen Wackler oder ich verstehe es einfach nicht! Wir machen mit gutem Vorankommen bei Westwind einen großen Bogen westlich an der Kardinalstonne vorbei, wie geheißen. Aber wir biegen eindeutig zu früh in die große Bucht von Flore ein, wo das ganze nördliche Ufer noch Lagunengebiet ist und – laufen ernauf eine Sandbank. Es ist nicht so einfach, wieder herauszukommen, wie am Vorabend. Bei der Maßnahme, das Schiffchen mit Dingi und Motor zu ziehen, springt der Motor nur kurz an und Markus treibt mit dem Dingi ohne Ruder ab, nimmt das zum Glück rechtzeitig war und kann mit dem Dingi im Schlepptau zurückschwimmen. Beim Tauchen stellt er fest, dass wir nicht richtig fest aufliegen sondern nur durch Wellenschlag immer auf die Sandbank dotzen und wir kommen zum Glück noch ganz vorsichtig los. Mit einem riesigen Bogen um das Untiefengebiet setzen wir den Weg an die Nordseite der Narta Beach bei Zwërnec fort, ankern recht weit draußen und paddeln – weil der Dingimotor nun einfach nicht mehr mitmacht – an Land für Lebensmittel und Ankerbiere.

06.08.2026 Zwar geht es nunächst ohne Motor nur durch den Wind getragen soft aus der Bucht, doch diese erste Brise bringt uns nicht ganz durch die kleine Meerenge zwischen Festland und Trump’Tochter erworbener Naturschutzinsel, die ja nach Meinung der rich lady unbedingt in ein Reichenresort umgewandelt gehört, wogegen die Bevölkerung derzeit zum Glück erfolgreich demonstriert. Eine wunderschöne Strecke entlang der Felsenküste erwartet uns, teils motorend, teils mit gutem Raumwind kreuzend, bis die ablandigen Winde am Abend uns erneut zum Motoren bis zur Ankerbeach zwingen. Wir sehen auf der Fahrt unendlich viele neu hochgezogenen Hotelkomplexe, die bestimmt nicht der Anzahl des Tourismusaufkommens entsprechen und ankern an einer ebensolchen Beach mit ewiger Promenade und Polster-Strandequipment. Heute setzen wir uns mit der Beantragung der Permit für Griechenland auseinander. Man merkt, dass dort die Bürokratie erfunden wurde und mindestens so komplex und starr ist, wie in Deutschland. Zum Glück gibt es inzwischen youtube Erklärvideos!

07.08.2026 Weiter geht es immer dem Ausklarierungshafen entgegen. Motoren, schöner Raumwind, Flaute – das wird allmählich zum Rhythmus. Doch welch liebliche Unterbrechung der Monotonie: ein riesiger Schwarm Delphine auf den Spuren der Fischerbootrückstände zieht durchs spiegelglatte Meer und springt freudig aus dem Wasser – atemberaubend! Ein kleines Bad bei 100 Meter Meerestiefe am Dingiseil und wir müssen schließlich weiter motoren, um hoffentlich vor Sonnenuntergang zu ankern. Das gelingt uns dann leider nur bedingt, weil der Anker in ausgewählter Bucht nicht sofort ankern will und uns mehrere Anläufe bis zur Dunkelheit abverlangt. Doch die Strandbar nahebei hält italienisch-albanische Pizza bereit.

08.08.2026 Tag des Ausklarierens aus Albanien, Saranda und Einklarierens in Griechenland, Korfu Stadt. Aufbruch nach Saranda Hafen um 09:00 früh; Informieren des Hafenmeisters über Funk; Ankern im trubeligen Hafen. Zur Sicherheit bleibt Markus an Bord, während ich zur Agentin an die Zollstation herüberpaddele. Vor mir allerdings müssen noch die Menschen der gerade angelegten Fähre abgefertigt werden. Und dann kann es endlich Richtung Griechenland gehen. Wir haben einigermaßen Wind, um die Griechische Gastlandfahne auf der Wassergrenze beim Segeln zu hissen und steuern Korfu Stadthafen an. Hier wieder einmal an einem schlecht geschützten Pier anlegen, aber die AEGIS steht sicher gegenüber AIDA Kreuzschiffen vertaut. Vom Hafenbüro zur Grenzkontrolle zurück zum Hafenbüro führt der Einklarierungspfad, aber ab jetzt ist dieses Prozedere für uns vorbei, denn die AEGIS soll in Griechenland bleiben! Eine Stunde dürfen wir am Pier stehen, noch schnell eingekauft und weiter geht es an der Ostseite Korfus nach Süden, um endlich richtig anzukommen.

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