bEMBELkINDER Boat Life, August/September 2026_01 – Unterwegs im Saronischen Golf
Die Vorboten des Meltemi
Wir haben am 28. August den Isthmus von Korinth befahren, sind somit in den Saronischen Golf gelangt und haben uns nun bis zur Südspitze Attikas durchgeschlagen, den Poseidon Tempel passiert und eine Marina gefunden, wo wir auf das Abschwächen des Starkwinds Meltemi warten. Der Wind lässt die vielen Segelmasten in einem kleinen Orgelkonzert ertönen. Wir fühlen uns sicher und sind froh, eine Pause von dem Umgang mit Wind und Welle zu haben und wir brauchen für unsere Sicherheit für die letzten Kilometer durch die Ägäis eine Motorinspektion.
Zeit für eine Zwischenbilanz: Wir haben das Boot aus einem Impuls heraus gefunden, als es darum ging, das Leben zu spüren und Träume nicht aufzuschieben, bis es zu spät ist. Wir hatten keine Erfahrung, weder vom Segeln noch davon, was es heißt, ein Segelboot zu besitzen. Aber alles hat gestimmt – das Vertrauen zum Voreigner; die Idee, mit einem kleineren Boot erstmal wirklich die Grundlagen zu lernen und zu verstehen; der perfekte Startpunkt im sicheren Hafen in Mali Lošinj; die minimal nötigen Scheine vorab. Jetzt sind wir über 1600 km weiter südöstlich und sind selbst ein bisschen beeindruckt, dass wir es so weit geschafft haben. Wir wissen jetzt aber auch, wie viel wir noch lernen müssen, obwohl kein Tag hier ohne neue Erfahrungen ist. Wind und Welle sind in der Tat tückisch, wenn man sie nicht richtig deutet. Ein Boot ist ein absolut komplexes System, dass ständige Zuwendung und Kenntnis in allen handwerklichen sowie physikalischen Bereichen erwartet. Man muss immer auf alles vorbereitet sein und jederzeitig auf alles spontan reagieren können. Man muss gleichzeitig schnell und geduldig sein. Segeln auf dem eigenen Segelboot bedeutet nicht nur Freiheit, einsame Buchten und Entspannung, sondern vor allem Verantwortung, Konzentration, tägliche Arbeiten und Teamplay. Das alles haben uns die letzten Tage seit dem Isthmus von Korinth bis hier her wieder gelehrt.

28.08.2026 Wir sind bereit für den Isthmus von Korinth. Wunderbarerweise können wir mit 3 Knoten bei Raumwind mit Vorsegel direkt zum Eingang segeln. Dort müssen wir noch eine Stunde vor Anker bis zum nächsten Durchlass warten. Dann ist es soweit und wir schaffen es auch als letztes Boot einzufahren, da uns klar ist, dass wir die Langsamsten sein werden. Es ist wirklich unfassbar aufregend, durch diesen Kanal von 6 Kilometern Länge mit seinen hohen Wänden zu fahren. Natürlich entfernen sich die voranfahrenden Schiffe allmählich, wir verlangen dem Volvo Penta Motor ganz schön viel ab, um bei 4 Knoten Fahrt zu bleiben und der Gegenwind, der durch den Kanal bläst, macht es nicht einfacher. Plötzlich mitten im Kanal setzt unser Motor aus. Ich melde der Kanalwache bereits über Funk, dass es Schwierigkeiten gibt, als Markus zum Glück den Motor wieder starten kann und wir setzen die Fahrt bangend mit 3 Knoten fort. Glücklich können wir erst mal am Anlegedock auf der anderen Seite bei immer stärkerem Gegenwind anlegen. Die weitere Strecke bleibt unangenehm wellig und wir kämpfen uns motorend zur Übernachtungsbucht auf die Nordseite der Peloponnes. Das Ankern mit zusätzlichem Heckanker klappt gut, aber das Strandrestaurant ist ein Tummelplatz für Wespen und lässt uns nur kurz verweilen.





29.08.2026 Wir wollen weiter. Zwar sind es nur 2 bft Wind, aber darauf kommen 3 bft Böen im Gegenwind. Auch im 2. Reff kommen wir kaum voran und verkriechen uns in die nächste geschützte Bucht im Nichts. Nachmittags wird es wieder besser, aber wir müssen vor der Weiterfahrt noch den Anker von der geankerten alten Mooringleine befreien. Schließlich kommen wir nach ein paar Stunden schönem Segeln doch noch an der Ostküste der Peloponnes in einer kuscheligen Bucht mit Taverne an.



30.08.2026 Entweder schaffen wir es zu einer der nächsten östlich gelegenen Inseln oder wir müssen weiter an der Küste der Peloponnes südlich fahren, denn ganz dringend steht der Besuch einer Einkaufsmöglichkeit an – wir haben fast nichts mehr. Es geht mit der ersten Brise los und läuft – zwar im Kreuzkurs gegenan – recht gut …. bis zur Flaute. Inzwischen wissen wir: Eine Flaute kann immer auch eine Windrichtungsänderung mit möglichem stärkeren Wind im Anschluss bedeuten. Inzwischen sind wir aber schon guter Dinge, dass wir die größere Insel Aegina erreichen können, also motoren wir. Und tatsächlich, der Wind kommt zurück und bringt uns zu einem recht passablen Am-Wind-Kurs bei Vollsegel mit 4-5 Knoten Fahrt und einiger Kränkung (für erfahrene Segler sicher ein Kinderspiel, für mich ein echter Nervenkitzel) voran. Bis zur ausgewählten Bucht gilt es außerdem, einem regen Fährverkehr anzuweichen. Von der mit Riffs umrandeten Bucht dann noch ein zur inländischen Nachtwanderung ausartender Abendspaziergang zum Supermarkt, der leider wegen Sonntag geschlossen hat! Ein Minimarktkiosk auf dem Weg rettet uns in unserem Lebensmittelnotstand.





31.08.2026 + 01.09.2026 Um gut und sicher die Fahrrinne vor Athen queren zu können, müssen wir an einem östlichen Punkt von Aegina starten. Unser nächstes Ziel dementsprechend: Agia Marina, ein kleines Touristenstädtchen in gut geschützter Ostbucht. Allerdings ist heute leider gar kein Wind und wir motoren bis dahin die Nordküste entlang. Die Bucht ist wunderbar, das Ankern auch in einiger Tiefe klappt famos. Der ideale Ort für einen Ruhetag. Die Insel soll gutes Trinkwasser aus der Leitung haben, also besuchen wir gleich zweimal hintereinander das ruhige, weil schön abgelegene Restaurant vor unserem Ankerplatz und dürfen unsere Wasservorräte auffüllen.







02.09.2026 Der Wind ab 9 Uhr soll für die Querung der Fahrinne hinüber zum Festland unterhalb Athens perfekt von Norden kommen – das ist unsere Chance. Wir können direkt die Segel setzen und recht lässig die Bucht verlassen. Bis zur Mitte der Fahrrinne läuft alles super. Die Fahrinne ist auch gar nicht so stark befahren, wie erwartet. Dann flaut der Wind ab, dreht auf Ost und treibt uns südlicher voran. Wir waren gerade eben noch 4 km vor der Insel Fleves, als wir unseren Fehler bemerken: Der Wind nimmt natürlich nach dem Richtungswechsel immer weiter zu, die Wellen bauen sich auf und wir sollten dringend den kürzesten Weg zur nächsten geschützten Bucht einschlagen. Diese ist auf Fleves, inzwischen wieder 7 km entfernt und sehr ungemütlich nur gegen die Welle motorend zu erreichen, wobei wir vorher noch die Segel im Getöse herunternehmen müssen und dann kaum gegenan vorankommen.





03.09.2026 Um es vor dem angesagten Wind nach dem vorangegangenen Erlebnis rechtzeitig ans Festland zu schaffen, starten wir mit Sonnenaufgang um kurz vor 7 Uhr. Aber Wind, Böen und Wellen lassen nicht lange auf sich warten. Heute können wir kein Risiko mehr gebrauchen und motoren bis zum Festland zur erstbesten geeigneten Bucht. Wir sind inzwischen ziemlich desillusioniert, was die Weiterfahrt betrifft, denn wir haben verstanden, dass wir jetzt schon die Ausläufer des über die Ägäis wehenden Meltemi Starkwinds spüren, der von Norden weht und seine heftigste Zeit im Juli und August hat, aber in der Regel dann im September am Abklingen sein soll. In den nächsten Tagen sind aber weiterhin 4-5 bft Wind mit Böen von 5-6 bft angesagt. Von unserer Bucht aus lässt sich nur schwer an Land auf die stark befahrene Straße zum Supermarkt kommen, das Ankerlicht ist im Wind abgekracht, das Kabel zur PV – was gerade unsere einzige Stromlademöglichkeit ist – scheint defekt und wir drohen, elektronisch leerzulaufen. Zumindest zur nächsten Bucht mit besserer Infrastruktur müssen wir es also am nächsten Tag schaffen.



04.09.2026 + 05.09.2026 Wieder früh um 6 Uhr aufstehen und mit dem Sonnenaufgang los. Wir motoren unter Segel und kommen in der neuen Bucht bei Palaia Fokaia direkt mit Einsetzen der Böen an, schaffen es aber, gut zu ankern – das Ankern klappt immerhin immer besser, wenngleich das tolle Segelgefühl vom vielen Motoren etwas getrübt ist. In der weitläufigen Bucht fühlen wir uns erstmal ganz wohl. Wir können sogar den Dinghimotor wieder zum Laufen bringen, indem wir die Zündkerze reinigen. Das ist auch gut so, denn gegen die Böen und zwischen den inzwischen zahlreich übers Wasser peitschenden Windsurfern hätten wir es nicht rudernd bis an Land geschafft. Hier erwartet uns ein gut sortierter Supermarkt und ein ebenso ausgestatteter Elektroladen mit Kabeln aller Art – wir können wieder laden! Wir verbringen zwei Tage sehr angenehmes Buchtkino mit vielen bunten vorbeiziehenden Wind- und Wingsurfern.





06. – 10.?09.2026 Ein eintägiges Meltemi freies Zeitfenster tut sich auf, um auf die Ostseite der Südspitze Attikas zu kommen und in der sicheren Olympic Marina Zuflucht vor dem weiter zu erwartenden Meltemi zu nehmen. Wir starten früh, haben aber kaum Wind und motoren mit vielen weiteren Seglern am Poseidontempel vorbei und vom Saronischen Golf in die Ägäis hinein. Die Marineros in Olympic Marina geleiten uns mit ihrem Dinghi an unseren Liegeplatz mit dem sie uns geschickt in die Lücke schieben und sicher am kleinen seitlichen Steg bugseitig am Liegeplatz vertäuen. Hier gibt es endlich alles, um aufzutanken: Strom, Wasser, Diesel, Duschen, die Nähe zur Werft mit möglichen Dieselmotorspezialisten und Ruhe!





Die Marina liegt mitten im Nichts je 4 km vom nächsten Strand und zur Stadt Lavrio entfernt. Die Produkte des Minimarkts kennen wir schon gut. Wir haben erstmal bis Donnerstag verlängert und schauen, wie sich der Meltemi weiter entwickelt. Zwar hat uns die Werft und deren Mechaniker abgesagt, aber wir haben Angelos über den Nauticladen gefunden, der sich den Motor bereits angeschaut hatte, sich nach einem guten Handwerker anfühlt und hoffentlich die nötigen Ersatzteile für das Problem mit der Dieseleinspritzpumpe und dem kleinen Dieselleck bekommt, damit unser Motor uns Sicherheit gibt, wenn es irgendwann weiter von Insel zu Insel gehen soll.

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