bEMBELkINDER Boat Life, August 2026 _ 2 – Angekommen in Griechenland

Von Korfu nach Korinth

Nie war für uns wirklich klar, ob wir es tatsächlich nach Griechenland schaffen würden, da das Boot und unsere Seglerfahrung wirklich sehr klein sind. Aber wir haben es wirklich geschafft und sind von Kroatien über Montenegro und Albanien in Griechenland angekommen! Jetzt steht unsere letzte große Etappe bis in die Dodekanes vor uns. Wir sind so glücklich, dass die vielen zu beachtenden Formalitäten des Ein- und Ausklarierens, um den ordnungsgemäßen Länderwechsel zu vollziehen, nun hinter uns liegen! Um genügend Zeit für die Passage durch die Ägäis und den zum Glück ab September abklingenden Starkwind Meltemi zu haben, beschließen wir, nicht die Peloponnes zu Umrunden, sondern durch den Isthmus von Korinth – den man ja unbedingt einmal passiert haben sollte – abzukürzen.

08. / 09.08.2026 Wir sind nach dem glücklichen Einklarieren in Korfu Stadt noch ein bisschen die Ostküste Korfus entlang gesegelt, bis uns die Abendflaute doch eingeholt hat und wir den nächstgelegenen Ankerplatz angepeilt haben. Netterweise direkt vor Nicos Familientaverne, wo wir mit unserem Dingi auf dem 3 Meter Kiesstrand perfekt anlanden und die Vorzüge eines gut geführten Restaurants nutzen konnten. Am nächsten Tag war definitiv ein Ruhetag an der Tagesordnung mit maximal einem Landgang zum Supermarkt!

10.08.2026 Wir brauchen dringend wieder Trinkwasser und steuern deshalb den kleinen Hafen Petriti an, der an der östlichen Spitze Korfus nicht weit entfernt ist und wohl Strom und Wasser haben soll. Natürlich ist der Hafen voll und wir müssen davor ankern – noch ist Hauptsaison. Wasser per Dingi an Bord zu holen soll künftig das neue normal werden. Markus konnte den Hafenmeister aber überzeugen, uns einen kostenfreien Schlauch zu zeigen, auf die Stromversorgung müssen wir verzichten.

11.08.2026 Motorend entlang der östlichen Spitze Korfus geht es dann mit einer schönen Brise quer übers Wasser in guter Raumwindfahrt ans griechische Festland. Hier ankern wir zwar mit gutem Schwell, aber in einer sehr schönen Badebucht – hier dachte ich noch, wir könnten die Sonnenfinsternis sehen, die aber in Griechenland nicht wirklich zu sehen war. Dafür gab es Sternschnuppen!

12. + 13.08.2026 Zum Strandduschen und Cafétrinken fahre ich mal solo an den Strand, da Markus am Tag zuvor schon den viel zu teuren Minimarkt als Landgang hatte. Leider zu spät entdecke ich, dass es sogar auch ein richtiges Duschhäuschen gegeben hätte. Zurück an Bord mit segeln wir weiter in eine geschützte Bucht, die der Westblick ohne Sonnenfinsternisoption durchaus irrelevant geworden ist. Als blinden Passagier führen wir eine Gottesanbeterin mit uns. Der Anker gut, die Nacht ist ruhig und sternschnuppenreich, sodass wir noch eine weitere Nacht bleiben, auch wenn es hier viel freudiges Publikum mit Motorbooten und Jetski-lover gibt.

14.08.2026 Wie auch immer, es muss weiter Richtung Süden gehen, der Wind bläst gut von hinten und wir fahren Raumwindkurs mit ordentlichen 3 Knoten Fahrt. Dann sehen wir langsam Gewitterwolken aufziehen, die zwar nicht angekündigt waren, aber nun hinter uns her über dem Festland hinwegwehen. Der Wind frischt weiter auf und wir steuern bei inzwischen 6 Knoten Fahrt die nächste geschützte Bucht an – auch wenn das Gewitter im Hinterland heruntergehen soll, sicher ist sicher. Zum Glück haben wir uns so entschieden, denn der kleine Ort ist so schön unscheinbar, hat einen günstigen Supermarkt und eine tolle Taverne mit Blick auf das Boot und köstlichen Scampis.

15.08.2026 Als hätte es so sein müssen, haben wir dummerweise in der Taverne am Vorabend unseren Akkupack an der dortigen Steckdose vergessen, rudern also noch einmal an Land, genießen in der Taverne guten griechischen Kaffee und bekommen von der sympathischen über 70jährigen Wirtin, mit der man sich auch ohne Englischkenntnisse mit Händen und Füßen gut verständigen kann, noch eine Flasche ihrer Oliven mit auf den Weg. Heute soll es in die Marina in Preveza gehen. Wir fahren Am-Wind-Kurs mit 3 Knoten Fahrt und müssen später in die Fahrrinne nach Preveza einbiegen, wo die See ganz schön kappelig wird. Aufregung natürlich beim Anlegen in der Marina, denn wir müssen mit der AEGIS unbedingt mit dem Bug an den Pier, weil unser Ruderblatt etwas hinten herausragt. Man muss wissen, dass die bevorzugte Art des Anlegens beim Griechen das Anlegen am Heck entweder mit eigenem Buganker oder eben nur einer Mooringleine ist. Und wir haben auch noch Wind in der Marina. Irgendwie schaffen wir es aber mit dem herrischen Marinero und der einen Mooringleine sicher festzumachen. Preveza ist einer der Seglerspots, wo auch viele ihr Boot überwintern oder von wo aus gechartert wird. Dementsprechend groß ist die Marina und hat gegen Abend ansteigend viel zu viel Publikumsverkehr. Strom und Wasser muss online freigeschaltet werden und der Vorgang fühlt sich bürokratisch recht ähnlich dem der Permit-Formularen an – einfach geht anders. Aber wir können uns mit Strom und Wasser volllaufen, Wäsche waschen und duschen, insofern schlussendlich ein gewinnbringende Stopp.

16.08.2026 Noch schnell an der Tankstelle angelegt und wir nehmen Fahrt auf den Lefkas-Kanal, der uns auf der Ostseite von Lefkas ins Meer entlässt. Auch mit gesetzten Segeln erreichen wir die Einfahrt pünktlich um 14:00, wo wir uns mit zahlreichen Booten im Reißverschlussverfahren in den engen Kanal einfädeln und auch immer wieder entgegenkommenden Boote noch durch die wartende Bootsschlange querschießen wollen. Ein ganz schönes Chaos, aber alle kommen gut auf der anderen Seite an und setzen die Segel für jede erdenkliche Fahrtrichtung. Wir fahren weiter gen Südosten und haben auch ordentlich Fahrt. Am späten Nachmittag allerdings wird die See immer kappeliger und ein nahezu plötzlicher Windrichtungswechsel lässt uns schnell, aber doch auch wieder etwas zu spät, als dass es nicht ein waghalsiges Manöver gewesen wäre, die Segel bergen und die nächste geschützte Bucht anfahren. Gleichzeitig hören wir unseren ersten Mayday-Ruf über Funk und sind froh, gerade noch rechtzeitig selbst gehandelt zu haben. In der Bucht ist es allerdings recht tief und wir lösen das Ankerproblem erstmalig mit dem Werfen von Bug- und Heckanker, damit wir nicht schwofen und an die vorgelagerten aus dem Wasser ragenden Felsen prallen können. Ankermanöver gut vollbracht.

17.08.2026 Beim schnellen Einholen der Segel am Vortag hatte sich dummerweise erneut das Großfall um das Arbeitslicht gewickelt. Unsere Techniken, es wieder zu lösen, werden immer raffinierter – diesmal mit zwei Leinen. Als wir um 12:00 loskommen, ist schon guter Wind und die See wieder recht rauh. Und dann … sehe ich unseren schönen Ballonfender weiter hinten im Wasser treiben. Zu spät, den können wir nicht mehr retten und müssen uns leider verabschieden. Wir haben zum Vorankommen schönen raumen Wind bei 4-5 Knoten Fahrt und freuen uns auf die nächste geschützte Bucht mit Städtchen und Infrastruktur. Doch der entgegenkommende Fallwind in der Bucht macht Einlaufen bei gleichzeitig auslaufender Fähre und Ankern zur Zerreißprobe. Nach drei Anläufen will der Anker endlich halten.

18.08.2026 Den Wind vom Vortag hätten wir zum Auslaufen gut brauchen können, aber der Wind hier im Mittelmeer ist grundsätzlich „ein Arschloch“ und macht, was er will. Während wir so gemütlich langsam am Wind aus der Bucht und die vorgelagerten Inseln zwischen den Fischfarmen dümpeln, haben wir ein bisschen mit Segeltrimm und Holepunkt gespielt – so allmählich baut sich das Segelwissen Stein für Stein auf und bringt Erfolg mit sich. Als ich kurz davor bin, den Motor in der extrem langweiligen Flaute anzuwerfen, kommt doch noch der Wind zurück und peitscht uns im Halbwindkurs in gewünschte Richtung. Im Lagunengebiet vor Oxaiá gehen wir vor Anker- mit nur einem weiteren Boot ein recht einsamer Ort.

19.08.2026 Ein Wunderschöner Segelstart ganz ohne Motor direkt die Segel gesetzt und raus aufs Meer. Die Fahrt selbst im Kreuzkurs mit nur drei großen Schlägen bei 3-4 Knoten Fahrt läuft genauso wunderbar. So kann Segeln also auch sein! Im letzten Sonnenlicht Ankern wir reibungslos vor der Kaimauer in Kryonéri, einem atmosphärischen seltsamen Ort zwischen Lagune und riesigem Felsenberg gelegen. Der perfekte Tag … bis auf die extreme Mückenattacke, die mich noch tagelang beschäftigen sollte.

20.08.2026 Mit Bootskoller und Bewegungsmangel könnte man die Stimmung an Bord wohl beschreiben. Wir überzeugen uns, in nächste 1km entfernte Dorf zum Supermarkt zu laufen. Aber manchmal stimmen die Messungen in Google Maps nicht dringend mit der Realität überein oder können fehlinterpretiert werden. Aus 1km werden 4 immer an der Zufahrtstraße zum Hafenort und es wird heißer. Der Einkauf dafür durch erstandenen Spiritus zum Kochen ist sehr erfolgreich und wir finden auf dem Rückweg sogar einen geeigneten Wanderweg. Guter Stimmung – der Wind frischt leicht auf – streben wir nun der Brückendurchfahrt in den Golf von Korinth entgegen. Hier muss man sich 5 nm vorher über Funk anmelden. Es dauert nicht lange, der Wind schlägt plötzlich um – wir waren gerade darauf eingestellt, im Raumwind der Brücke entgegengedrückt zu werden – und blast uns mit immer heftigeren Schaumkrönchen auf den Wellenspitzen ins Gesicht. Es bleibt nur übrig, die Segel herunter zu nehmen und den Motor zu treten, um gegen an zu kommen. Die Rion-Brücke sieht wirklich beeindruckend aus. Allerdings fährt gar nicht so viel Verkehr, da die Maut recht teuer ist. So gibt es natürlich trotzdem viel Fährverkehr zwischen Festland und der Peloponnes. Toll, dass wir genau, während zwei Fähren uns kreuzen, unsere Durchfahrt anpeilen. Und natürlich bleibt der Gegenwind, bis wir unseren Ankerplatz bei Nafpaktos erreicht haben, bestehen. Die Stadt mit ihrer Burg ist toll beleuchtet, aber uns reicht der Anblick aus der Ferne vom Boot aus mit einem Glasl Landwein. Jetzt kennen wir den Düseneffekt von Ost bzw. West hier im Golf von Korinth, der nicht direkt in WINDY angegeben wird und wir beschäftigen uns eingehend mit den verschiedenem Wettermodellen und Angaben zu Böen und Dünung in der App.

21. – 23.08.2026 Der Morgen startet mit Hafenkino: ein Segelboot wird mittels eines Kranes und so einigen geschäftigen Männern aus dem Wasser gehoben und auf den Trockenliegeplatz gebracht. Nach dem Schauspiel geht es weiter. Gut vorbereitet mit 1. Reff können wir beim Am-Wind-Kurs 3 – 4 Knoten Fahrt machen bis uns doch nach halber Strecke wieder eine Flaute einholt. Zeit für ein Bad. Doch der Wind kommt nicht zurück und wir motoren zur Insel Trizonia. Wir finden hier einen perfekten Ankerplatz in der Bucht vor dem Stadthafen. Es ist wirklich eine so schön entspannte Insel, wie ein sympathisch geschriebener Navily-Kommentar (die ultimative Anker-, Marina- und Hafen-App) informiert, dass wir hier Pause machen wollen – ein segelfreies Wochenende mit Lesen, Ordnen, Reparieren, Wasser holen, Chillen, Wandern und uns als Restauranttester steht bevor.

24.08.2026 So schön es auch ist, aber es muss weitergehen, wenn die AEGIS nicht neben dem im Hafenbecken beim im Winterlager untergegangenen Segelboot überwintern will. Auch ein kleiner Käfer hat sich über die Dinghi-Leine an Bord geschlichen und fährt mit. Aber wieder lässt uns der Düseneffekt nach halber Strecke im Stich. Immerhin lässt sich eine Gruppe Delfine in der Ferne beobachten. Viel zu spät schmeißen wir schließlich den Motor an und fahren in der Dämmerung zwischen Fischfarmen in eine vor Einbruch der Dunkelheit erreichbaren Bucht vor Galaxidi nahe des Orakels von Delfi. Und mitten im Stress, ob wir noch rechtzeitig Anker werfen können, kommen uns Delfine so nahe wie nie zuvor und springen aus dem Wasser. Die Bucht ist dann recht klein und wir werfen sicherheitshalber noch den Heckanker, fühlen uns aber nicht 100% sicher, nachdem noch ein Fischer uns umrundet und drei weiße Hunde am Ufer streunen, dass wir an Bord bleiben.

25.08.2026 Zwar hat sich das Boot in der Nacht gedreht, den Ankeralarm ausgelöst und wir hatten ziemlich Schwell – also eine schlechte Nacht, aber letztendlich hat der Heckanker uns gesichert. Der Buganker war zu kurz gesetzt, was wir nicht mehr gesehen hatten. Also flux noch ein bisschen Kette nachlegen, damit wir die kleine 20-Minuten-Strecke zum Supermarkt zu Fuß erledigen können. Der Gang war gut, aber das Ergebnis des kleinen Einkaufs mit überteuerten Produkten grenzt an Wucher. Zurück in der AEGIS geht es direkt weiter unter Segel und Motor, weil kein Wind aufkommen will. Wir beschließen, die nächste sicher einsame Bucht anzulaufen und haben unbeschreibliches Glück: ein Traumort, ganz allein im Nichts; so tief und sicher mit zwei Ankern geankert, wie nie zuvor; den Heißhunger auf Grünes mit Brokkoli gestillt; den Abend zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang aufs magische Meer geschaut – so kann das Leben auch sein!

26.08.2026 Der Wind bläst heute schon sehr früh aus Westen über den Berg. Das Anker lichten fällt schwer und die schöne Idee, ohne Motor zu starten muss verworfen werden. Wir setzen nur ein ganz kleines Vorsegel quasi als Sturmfock, da die Wellen von hinten tatsächlich einen Meter hoch sind. Und vor allem haben wir die Rettungswesten direkt angezogen und uns eingepickt, denn die kleine AEGIS wird wie eine Wallnussschale über die See geschaukelt. Zunächst ist die Situation schon etwas Angst einflößend, aber an Rückkehr gegen die Welle an ist nun auch nicht mehr zu denken. Aber nach einer Weile bekomme ich doch gutes Gespür für Pinne, Welle, Böe und Segel und ich nehme die Herausforderung immer gelassener an. Da wir wirklich gut mit 4 Knoten Fahrt durchkommen, fahren wir weiter als geplant und steuern ein besser gegen Westen geschützte Bucht an. Kurz vor der Einfahrt in die Bucht von Paralía wird es dann sogar windstill, nur die Welle klingt noch länger nach. Wir haben zwar etwas dicht am Badestrand geankert, aber sind zu erschöpft, um ein erneutes Ankermanöver zu starten, also wird fleissig um uns herumgeschwommen.

27.08.2026 Was gestern zu viel war, ist heute natürlich zu wenig: Wir motoren aufs Meer hinaus, um unsere Morgentoilette zu erledigen und Kaffee zu trinken und warten auf Wind, der fern bleibt. Also doch wieder motoren in Richtung der Bucht von Korinth. Kurz vor der angesteuerten Bucht frischt der Wind oder besser der Düseneffekt so auf, dass man wieder das Großsegel nur unter Anstrengung bergen kann. Und dann werden wir von einem Polizeiboot auch noch angesprochen, dass man hier nicht ankern darf! Zu unserer Befriedigung wird aber and die Superyacht zum Wegfahren aufgefordert. Also schnell das Vorsegel noch einmal raus und von den Lehren des Vortages profitiert: wunderbares Vor-dem-Wind-Segeln schenkt und noch ein paar Meilen Segelvergnügen. Dann noch einen Sprung motoren bis zu einem geeigneten Ankerplatz und der Passage durch den Isthmus von Korinth steht nichts mehr im Wege.

Ab morgen fängt also eine neue Etappe an: Wir werden ins Saronische Meer einfahren und die tückischen Düseneffekte des Golfs von Korinth hinter uns lassen. Dann beginnt die aufregende Zeit in der Ägäis von Insel zu Insel, mit der Hoffnung, dass der aus Nordosten kommende Starkwind Meltemi im September abklingt, wie prognostiziert!

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