bEMBELKINDER Boat Life, Mai 2026

Segeln üben in Mali Loŝinj

Für die einen ist es ein extremes Abenteuer, für andere vielleicht sogar ganz normal: Ein Segelboot kaufen und damit auf dem Mittelmeer herumschippern! Für uns ist es auf jeden Fall eine sehr große Herausforderung!

Wir sind Markus und Sabine aus Frankfurt am Main und – bis auf den Main und, dass wir beide ganz gerne schwimmen – hatten wir vorab keine speziellen Erfahrungen mit dem Leben auf dem Wasser. Naja, ich bin selbst seit über zehn Jahren auf einem 20 Meter Flachbodenschiff mit 14 Menschen jedem Sommer im niederländischen Wattenmeer als 9-tägige Urlaubsreise unterwegs, was sehr wahrscheinlich dieses Vorhaben stark begünstigt und dafür gesorgt hat, dass wir zu Corona den Sportbootführerschein Binnen und im letzten Jahr auch noch den Sportbootführerschein See gemacht haben. Wer diese Führerscheine auch schon glücklich bestanden hat, weiß, dass es dringend Not tut, dann auch direkt aufs Boot zu gehen und Praxiserfahrungen zu machen, denn sonst sind sämtliche Regeln in den tiefsten Hirnwindungen begraben!

Die ersten Seemeilen im Isslmeer bei mir waren sofort 6 bft mit starker Kränkung und es war wunderbar! Auch ein Grundkurs auf einer 12 Meter Segelyacht bei Wind und Wetter haben mir gezeigt, dass das Segeln durchaus mein Ding sein könnte. Dass Markus mit an Bord sein würde, hatte ich eigentlich nicht zu träumen gewagt, aber schlussendlich war er es, der unser kleines Segelboot in den Verkaufsanzeigen gefunden hat.

Auch wenn die Vorzeichen den Weg zum Segelboot im Nachhinein betrachtet klar angedeutet haben, so hat sich der Prozess in 2025 doch ganz schön überschlagen: Traurige Abschiede in der Familie und im Freundeskreis haben die Endlichkeit dieses Erdendaseins in den Vordergrund gerückt. Eine Arbeit, die mehr abverlangt, als eine Person in 24 Stunden zu geben vermag und der Wunsch, einfach mal etwas ganz anderes zu machen: und schon war das halbjährige Sabbatical beantragt und der Termin mit dem Verkäufer ausgemacht!

Im Oktober 2025 habe ich mir allen Ernstes in Kroatien auf der Insel Mali Lošinj die AEGIS gekauft! Die alte Dame ist eine 8,8 Meter lange Segelyacht aus dem Jahre 1974: http://ohlson-88.de/ohlson88/ Ich bin nun die dritte Eignerin und dem Voreigner für seine Liebe zu diesem Boot und seine Großzügigkeit mir gegenüber wirklich dankbar, denn ein besseres und so gut gepflegtes gebrauchtes Einsteigerboot hätten wir nicht finden können! Ja, sie ist 52 Jahre alt und damit nur ein Jahr jünger als ich selbst, aber sie fährt noch sehr schnittig für ihr Alter! Aber, da ich ja auch in dieser vergangenen analogen Zeit herangewachsen bin, kann es nicht schaden, dieserart Schritt für Schritt ins Segeln hinein zu wachsen. Wir haben im Oktober innerhalb von 5 Tagen eine Probefahrt gemacht, das Boot gekauft, es winterfest gemacht: Motorspülung, der AEGIS eine Art Ganzkörperanzug – die Persenning – verpasst und jede Menge Details erklärt bekommen … dann ging es wieder zurück in den Alltag.

Kaum Zeit für eine gut geplante Vorbereitung, ganz nebenbei noch Versicherung, Internationaler Bootsschein und MMSI Nummer beantragt – die SKS-Praxisprüfung habe ich, dank Marcels Sportbootschule Steiner, bei einem Wochentörn in der Niederlande auch schon in der Tasche! Jetzt auf dem Boot habe ich hoffentlich genug Zeit, um für die Theorieprüfung zu lernen und alles auch gut zu verstehen!

Dann beginnt die große Zeit mit den ersten Maitagen: Wir laden unser Auto voll mit allem, was wir gebrauchen könnten und womit wir uns ein halbes Jahr zu Hause fühlen wollen und starten durch nach Umag in 10 Stunden. Hier wollen wir auf dem Weg noch die SRC-Funkprüfung ablegen – die AEGIS hat ein Funkgerät und der Eigner muss eben dafür einen Befähigungsnachweis vorweisen können! Trotz Batteriepanne am Auto kurz vor der Prüfung bestehen wir beide und können mit neuer Autobatterie am nächsten Tag durchs wunderschöne Istrien nach Mali Lošinj weiterfahren und noch am selben Abend ins Boot einziehen!

2026-05-09_Boot beheimaten_Sabine Imhof & Markus Böcher

An dieser Stelle gehört sich nun erst einmal ein wirklich riesengroßes Dankeschön an Otto, den Voreigner, der mir sein geliebtes Boot aus Altersgründen schweren Herzens überlassen hat und dann sogar noch im Mai vor Ort war, um dabei zu unterstützen, die AEGIS nach der Winterpause wieder startklar zu machen und uns noch einmal jede Menge unserer Fragen zu beantworten – ich hätte bestimmt Jahre gebraucht, um die Segel anzuschlagen und so waren wir bereits am Dienstag, den 12. Mai im Wasser!

Wer sich nun die Frage nach dem Unterwasserschiff und dem Antifouling stellt: Wir haben aufgrund der guten Pflege erst einmal darauf verzichtet und werden es dann in der nächsten Winterpause angehen. Wir wollten schnell ins Wasser, um zu Üben und so ist das Mittelmeer auch noch eine Saison von unseren giftigen Abrieben verschont.

Und jetzt hieß es: üben, üben, üben. Erste Tests nur mit Großsegel und nur mit Vorsegel, Drifteigenschaft, wie reagiert das Ruder mit der Pinne, wie möchte der Motor behandelt werden? Immer wieder ging es auf und ab an der Westseite von Mali Lošinj und jedes Mal wurde das Hafenmanöver „römisch- katholisch“ mit Einparken in die Bucht mit Mouring-Leinen besser. Auch den Umgang mit dem Dingi und dem Außenborder sowie das Ankern sollte man vor einer bevorstehenden Fahrt dringend üben – natürlich sind wir gleich auch schon beim zweiten Ankerversuch abgedriftet. Also immer MINDESTENS 3×Ankerlänge im Verhältnis zur Meerestiefe werfen!

Der Monat Mai ging dann doch recht erfolgreich mit einem guten Gefühl zu Ende und wir freuen uns, wenn unsere Fahrt gen Süden endlich beginnt – immer Richtung Dodekanes🙂

Ahoi

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